Leseprobe "Die Königsmalerin"

Aus dem Kapitel "Bleiweiß"


"Bleiweiß wird auf chemischem Weg aus Blei erzeugt und duldet jede Mischung. Reibt es stets mit klarem Wasser. Doch Bleiweiß hat ein schwarzes Herz: Es ist giftig! Dennoch gibt es den reinsten Dingen ihre Farbe: Wenn ihr eine junge Braut porträtiert, malt mit diesem Weiß die Blüten ihres Myrtenkranzes. Malt ihr dagegen eine Nonne, gebt ihr drei weiße Lilien in die Hand. Sie stehen für die Dreifaltigkeit und die Jungfrau Maria."

Bernardino Campi




Bisher kannte ich den Tod als Gast, der nur bei anderen Familien einkehrte, die Neugeborenen oder Mütter im Kindbett dahinraffte oder die Seelen der Alten und Kranken auf seinem Knochenross ins Jenseits trug. Bei unserer Familie hatte er noch nicht an die Tür geklopft, und weder meine Mutter noch Elena konnten verstehen, warum der Tod einer Fremden mich so erschütterte, dass ich noch am selben Abend Fieber bekam. Noch dazu war diese Fremde eine Selbstmörderin, die kein christliches Begräbnis erhalten würde. Durch ihre Todsünde war ihr das Himmelreich für immer verschlossen. Bartola sah meinen Kummer als schlechtes Omen, verbrannte Kräuter neben meinem Bett und legte mir ein kleines Medaillon mit dem Bildnis der Jungfrau Maria auf die heiße Stirn. Meine Mutter hielt nichts von diesem Aberglauben, sondern rief lieber die Wissenschaft und einen Arzt zu Hilfe. Doch weder die Muttergottes noch der Aderlass vermochten es, die Fremde mit den verstörenden Augen zu vertreiben. Zwei fiebrige Nächte lang lief ich in meinen Träumen immer wieder durch die engen Straßen meiner Stadt, sah die Frau innehalten, erschrak vor dem Dunklen in ihren Augen und zögerte einige Sekunden zu lange. "Halt!", rief ich dann und stürzte hinter ihr her - Stufe um Stufe hetzte ich keuchend den Turm hinauf und bewegte mich dennoch kaum von der Stelle, als würde ich in zähem öl waten. Nur ein einziges Mal gelang es mir, ihr wehendes Tuch zu greifen, doch bereits im nächsten Augenblick entglitt mir der Stoff - und sie fiel! Fiel vor meinen Augen. Hunderte von blassen Gesichtern starrten zum Turm hinauf und mein verzweifelter Ruf wurde vom Heulen des Windes übertönt.
"Ruhig, Sofonisba!", vernahm ich Bartolas sanfte Stimme, als ich mit einem erstickten Schrei hochschreckte. Ich zitterte am ganzen Körper, am linken Arm pochte schmerzhaft die Wunde, die die Lanzette des Arztes in der weichen Haut der Armbeuge hinterlassen hatte. Der Verband schnürte mir das Blut ab. Es war mitten in der Nacht, ich konnte den Wind an den geschlossenen Fensterläden rütteln hören. Nur ein öllicht brannte neben meinem Bett und ließ Bartolas faltiges Gesicht wie eine zu grob schattierte Zeichnung wirken. Im Nebenzimmer hörte ich meine Mutter leise mit einem Diener sprechen.
"Ich muss wissen, wer sie ist!", flüsterte ich und ergriff Bartolas Hand.
Sie strich mir über das Haar. "Wer, Kind?"
"Stell dich nicht dumm, Bartola. Du weißt genau, wen ich meine. Die unglückliche Frau! Hat man nicht darüber gesprochen?"
Bekümmert schüttelte Bartola den Kopf, doch die Art, wie sie meinem Blick auswich, zeigte mir, dass sie nicht die Wahrheit sprach. "Denke nicht mehr an sie, das beschwört nur Unglück", murmelte sie.
Ich packte Bartolas ärmel und richtete mich auf. Sofort brach mir wieder der Schweiß aus. "Aber du warst doch heute sicher auf dem Markt, oder nicht?", rief ich. "Du musst doch etwas gehört haben. Irgendetwas! Warum hat sie sich vom Turm gestürzt? Wie hieß sie?"
"Halt! Bleib liegen, Kind. Was denkst du dir nur dabei, du bist krank."
"Ich muss aber aufstehen und ..."
"Nichts da!"
Bartola wand sich sanft, aber entschlossen aus meinem Griff, drückte mich an den Schultern in das Kissen und zog mir die Bettdecke wieder über den Körper.
"Signora!", rief sie in Richtung Tür. "Sie ist wach. Aber wenn wir nicht aufpassen, springt sie uns gleich wieder aus dem Bett."
Eilige Schritte erklangen, dann erschien meine Mutter in der Tür. Ich liebte sie dafür, dass sie lächelte, obgleich um ihre Augen der Schatten schlafloser Nächte lag.
"Mein Mädchen", sagte sie mit zärtlichem Tadel. Bartola machte ihr Platz und sie ließ sich an meinem Bett nieder und legte mir die Hand auf die Stirn. "Gott sei Dank, das Fieber sinkt. Du hast dich verkühlt, als du durch die Straßen gelaufen bist. Den Tod hättest du dir holen können, du Trotzkopf! Siehst du nun endlich ein, dass du zur Ruhe kommen musst, mein kleiner Jagdhund?" Ich wollte antworten, mich rechtfertigen und aufbegehren, und fand mich plötzlich in ihrer festen Umarmung wieder. Bianca Ponzoni war eine Frau, die die Dinge anpackte, und auch ihre Umarmungen bargen alle Festigkeit und Sicherheit der Erde. Die Augen zu schließen und den Kopf an ihre Schulter zu lehnen, tat unendlich gut. "Ich will, dass du schnell gesund wirst und deine Studien fortsetzt, hast du mich verstanden?", flüsterte sie in mein Haar.
"Aber ich wollte doch nur wissen, wer die Frau war."
"Eine Verzweifelte, Kind. Eine Sünderin. Es gibt so viel Unglück auf der Welt. Sei froh, dass wir dich vor all dem beschützen. Wer weiß, was sie zu dieser Tat getrieben hat. Aber wir haben nichts mit ihr zu tun. Vergiss sie."
"Aber das kann ich nicht!" Heftig machte ich mich aus den Armen meiner Mutter los. "Sie ist keine Sünderin. Und ich werde erfahren, wer sie war, ganz gleichgültig, ob es euch hier recht ist oder nicht."
"Sofonisba", sagte meine Mutter mit dieser tiefen, besonders ruhigen Stimme, die Donner und Blitz ankündigte und mich jedes Mal sofort verstummen ließ. "Du bist krank und ich will dich nicht tadeln. Doch ich hatte ohnehin vor, mit dir zu sprechen, und da du dich kräftig genug fühlst, mit mir zu streiten, bist du sicher auch stark genug, um mir jetzt genau zuzuhören." Alle Weichheit war aus ihren Zügen verschwunden, im Schein der Nachtlampe sahen sogar die lachenden Halbmonde an ihren Mundwinkeln aus wie tiefe Scharten und ließen das Gesicht wie eine wütende Maske wirken.
Ich schluckte. Mir war ein wenig schwindlig, doch ich schob entschlossen das Kinn vor und nickte. Niemand - vor allen Dingen nicht meine Mutter - sollte mir nachsagen, ich sei nicht stark genug.
"Gut", fuhr sie etwas leiser fort. "Merke dir meine Worte: Vor dem Haus der Gonzagas sagte ich dir, dein Ungehorsam wird ein Ende haben. Und das meine ich auch jetzt noch ernst. Du musst mich gar nicht so wütend ansehen. Ich verstehe dich besser, als du denkst. Glaubst du, ich war nie jung? Ich weiß sehr genau, wie es ist, sich nach einer Freiheit zu sehnen, die man als Mädchen nun mal nicht haben kann. Und dennoch: Es geht nicht um dich oder deine Wünsche. Es geht um unsere Familie. Die Familie ist das Einzige, was zählt, und du bist als älteste zwar ein wichtiger Teil davon, nichtsdestotrotz bist du nur ein Teil."
"Ich weiß", stieß ich hervor. "Vater sagt es mir jeden Tag. Ich habe Pflichten, die ..."
"Schweig und hör mir zu!", unterbrach sie mich barsch. "Du magst die Worte hören, aber verstanden hast du sie offenbar noch nicht. Wir haben keinen Sohn, und du und Elena, ihr habt dadurch das Vorrecht, wie Söhne erzogen zu werden." Es hatte sachlich und vernünftig klingen sollen, doch ich bemerkte sehr wohl, dass die Stimme meiner Mutter bei diesen Worten zitterte. Wir alle wussten, wie sehr sich mein Vater einen Sohn wünschte, auch wenn unsere Eltern uns Mädchen nie spüren ließen, dass wir den Erben nicht ersetzen konnten. "Der Unterricht, die Malerei - es ist ein Zugeständnis an euch", fuhr meine Mutter fort. "Ein Geschenk. Doch jedes Geschenk hat seinen Preis. Du bist es unserer Familie schuldig, das Beste aus diesen Gaben zu machen - zum Wohle von uns allen. Die Anguissolas halten alle zusammen, sie steigen gemeinsam auf oder gehen gemeinsam unter, merke dir das. Für einen eigenen Weg ist hier kein Platz."
Ich hätte so vieles erwidern wollen, aber unter den strengen Augen Bianca Ponzonis schwieg ich nur und wartete. Meine Mutter hob die Hand und strich mir zärtlich eine verschwitzte Strähne aus der Stirn. "Das Leben in Cremona ist kein Spiel, das du gewinnst, indem du gegen Regeln verstößt. Bisher konnten wir darüber hinwegsehen, Sofonisba. Du warst ein Kind, nun aber ..." Sie deutete mit einem Lächeln auf mein Nachthemd, dorthin, wo sich seit einiger Zeit Brüste abzuzeichnen begannen. "... ist es nicht mehr zu verleugnen, dass du erwachsen wirst. Du bemerkst es vielleicht nicht, aber die Männer schauen dich bereits seit dem Sommer anders an. Wenn du allein durch die Straßen läufst, bist du nicht mehr nur in Gefahr, ausgeraubt zu werden. Die Einladung zu den Gonzagas war eine Ehre für uns. Du weißt, sie haben über den Familienzweig in Mantua Verbindungen zum spanischen Königshof und zum Hof von Milano. Kannst du nur im Entferntesten ermessen, wie die Leute sich gerade das Maul darüber zerreißen, dass du dort nicht erschienen bist?"
Ich schlug die Augen nieder. Oh doch, ich konnte es mir vorstellen. Ich musste nur an die ältliche Katharina Gonzaga denken, deren Mundwerk nie stillstand und deren Lachen durch das Haus hallte wie das Meckern einer Ziege. Meine Lippen waren trocken und die Wangen glühten nicht nur vom Fieber. Trotz meiner Wut schämte ich mich. "Willst du, dass es heißt, die älteste der Anguissolas treibt sich allein in den Gassen herum wie ... eine Dirne?", flüsterte meine Mutter und mir lief ein Schauer über den Rücken. Heftig schüttelte ich den Kopf.
"Es tut mir so leid", brachte ich heraus. "Ich wollte doch nicht ..."
"Ich glaube dir ja, mein Kätzchen. Du schadest uns nicht mit Absicht. Genau aus diesem Grund bitte ich dich doch, dir meine Worte zu merken, wenn du schon auf deinen Vater nicht hörst. Denke an die Zukunft - an deine und die deiner Schwestern. Die Familie zählt darauf, dass deine Bilder eines Tages begehrt und reich belohnt sein werden. Aber Bilder bringen nur mit guten Beziehungen und einem tadellosen Ruf Geld ein!"
Mir war, als würde mir ein heißer Ring die Kehle zuschnüren. Noch nie zuvor war mir so bewusst geworden, wie viele Erwartungen auf mir ruhten. Ich hatte immer gedacht, es würde mir gelingen, mich den Regeln so gut es ging unterzuordnen, und dabei heimlich noch einen Zipfel eines anderen Lebens zu erhaschen. Doch jetzt erkannte ich, dass es mit dem heimlichen Leben vorbei war.
Meine Mutter atmete erleichtert auf. "Gut", schloss sie ihren Vortrag. "Du hast verstanden. Werde erwachsen, Sofonisba, und lebe und benimm dich so, wie es den Anguissolas zur Ehre gereicht. Für solche Verrücktheiten wie dein Verhalten neulich ist kein Platz mehr und ich will nie wieder ein Wort von dieser Sünderin hören. Es wird sich einiges ändern für dich. Aber glaube mir, es ist nur zu deinem Besten."
"Darf ... wenigstens Elena zum Hausfest der Andreolis gehen?", fragte ich mit schwacher Stimme. "Bitte, es war doch nicht ihre Schuld."
"Natürlich nicht. Es ist allein deine Schuld." Meine Mutter erhob sich. "Das nächste Mal überlege eben vorher, was jeder Schritt von dir für deine Familie bedeutet."
Sie ging hinaus und ließ mich zurück in meinem Elend. Irgendwann kam Bartola ins Zimmer und brachte mir einen Krug mit frischem Wasser. Sie murmelte irgendetwas vor sich hin, aber ich hörte ihr nicht zu, sondern vergrub mich in meine Kissen und presste die Augenlider zusammen, bis rote Sterne vor mir tanzten. Endlich nahm die alte Dienerin das Licht vom Nachttisch und entfernte sich mit schlurfenden Schritten. Nun war ich allein mit dem Gespenst der Fremden.

*


Ich musste trotz allem eingeschlafen sein, denn als ich erwachte, war es still im Raum. Das Feuer im Kamin war heruntergebrannt, der Schein der Glut erhellte nur noch den gewachsten Holzboden. Der Wind rüttelte immer noch an den Fensterläden und in der Dunkelheit bildete ich mir ein, die Schatten von Geistern zu sehen, die um mein Bett herumglitten und mit dürren Fingern über die Bettvorhänge strichen. Vorher war mir heiß gewesen, nun fror ich, dass meine Zähne klapperten. Die Worte meiner Mutter lasteten schwer auf meiner Brust und drohten mich zu zermalmen. Und irgendwo hier im Schatten meines Halbschlafs wartete die Fremde auf mich, ich konnte ihre Gegenwart geradezu spüren, ihren Todesatem hören. Es war, als würde sie mich mit sich in die Tiefe hinabziehen, in ein Leben, das nicht mehr das meine war.
"Sofonisba!"
Das Flüstern erschreckte mich so sehr, dass ich einen erstickten Laut von mir gab. Dann lagen schon schlanke Finger auf meinem Mund. Ich riss die Augen auf und der Schatten der Fremden verwandelte sich in die Gestalt meiner Schwester.
"Psst! Weck bloß den alten Bartola-Drachen nicht auf!", befahl sie mir flüsternd, dann hob sie die Bettdecke und schlüpfte flink zu mir ins Bett. Sie schlang ihre Arme um mich und drückte mich fest an sich. Kühle Lippen küssten meine glühende Schläfe. Wie froh ich war, Elena in meiner Nähe zu haben!
"Du wirst Luca nicht treffen können", flüsterte ich unglücklich.
Sie seufzte und legte den Kopf an meine Schulter.
"Ich weiß. Mutter hat gesagt, ich soll mich bei dir dafür bedanken. Nun, bedanken werde ich mich ganz bestimmt nicht, aber du bist trotzdem meine Schwester, du Verrückte! Meister Campi und seine Frau lassen dich grüßen."
An ihrer Stimme hörte ich, dass sie lächelte. Und das war beinahe schlimmer, als wenn sie mich gescholten hätte. Es beschämte mich, dass Elena so bedingungslos verzeihen konnte - ich konnte es niemals, bis heute nicht. Tränen stiegen mir in die Augen.
"Oh, nicht!", sagte Elena leise und küsste mich wieder. "Weine doch nicht!"
Ich war die älteste und sollte die Vernünftige und Starke sein, nun aber war es meine jüngere Schwester, die mich tröstete. Stockend und flüsternd sprudelte alles aus mir heraus: Ich sprach über den unwiderstehlichen Sog, den die Gestalt der Fremden auf mich ausgeübt hatte, über das Geheimnis ihrer Augen und mein Zögern, das an ihrem Tod Schuld war.
"Ich träume von ihr - und ich komme immer zu spät", schloss ich nach einer ganzen Weile. "In jedem Traum. Sie stürzt vor meinen Augen in die Tiefe, ohne dass ich es verhindern kann. Aber ich muss doch wenigstens wissen, wer sie war!"
Elena schwieg, ich konnte ihre Anspannung fast mit Händen greifen. Einige Herzschläge lang spürte ich nur ihren Atem auf meiner Schläfe.
"Hör zu", sagte sie dann so leise, dass ich ihre Worte kaum verstand. "Schwöre mir, dass du es für dich behältst, was ich dir nun sage."
"Was, Elena?"
"Schwöre!"
"Ich schwöre."
Ihre Lippen kitzelten an meinem Ohr. Jetzt klang ihr Flüstern laut wie ein Sturm.
"Ich weiß, wie sie hieß. Aber ich musste Mutter versprechen, dir gegenüber stillzuschweigen, weil es dich nur aufregen würde."
Ein kalter Schauer rieselte über meinen Rücken. "Du kennst ihren Namen?"
"Pssst! Sei doch leise! Minerva hat es mir erzählt. Sie und Bartola waren gestern auf dem Markt. Die Leute reden von nichts anderem. Die Frau hieß Maria. Maria Fogliami. Sie war seit kurzem Witwe. Ihr Mann gehörte zu den Rebleuten und hatte ein Stück Weinberg gepachtet. Doch die Arme musste gleich nach der Beerdigung erfahren, dass er kurz vor seinem Tod alles Hab und Gut beim Spiel verloren hatte. Kannst du dir das vorstellen? Von einem Tag auf den anderen stand sie mit ihrem Kind mittellos auf der Straße. Sie musste zu den barmherzigen Schwestern gehen, um Obdach zu erhalten. Und zu allem überfluss starb wenig später ihr Kind an einem Fieber. Sie war sehr verzweifelt."
Und stolz, dachte ich niedergeschlagen. Oder vielleicht gar wahnsinnig? Maria hatte ihr besticktes Wolltuch nicht versetzt. Und dennoch: Ihre Verzweiflung erklärte, warum sie gesprungen war, nicht jedoch, was in ihren Augen vorging.
"Du hättest sie nicht retten können, Sofonisba", fuhr Elena fort. "Selbst wenn du sie eingeholt hättest. Sie war nicht bei Verstand, sie hätte auf niemanden gehört, schon gar nicht auf eine Fremde. Versprichst du mir, dass du sie vergessen wirst und nicht mehr traurig bist?"
"Ja", antwortete ich, ohne an meine eigenen Worte zu glauben.
"Alles wird gut", flüsterte Elena in mein Ohr und lachte leise. Sie schob ihre eiskalten Füße unter meine Beine und wärmte sie an meiner fieberheißen Haut. "Und Luca ... Er wird mich heiraten", fuhr sie voller Zuversicht fort. "Eines Tages, du wirst sehen! Dann werde ich so oft mit ihm tanzen können, wie ich will."
Meine Schwester war eine Träumerin. Doch selbst heute noch, wenn ich die Augen schließe und an sie denke, sehe ich sie in dem Bild, das sie in jener Nacht mit Worten für mich gemalt hat: Sie tanzt mit Luca auf ihrer eigenen Hochzeit, den Myrtenkranz auf dem Kopf, ihr blondes Haar fliegt bei jeder Drehung durch die Luft, und sie lacht.

c) Verlag Ravensburger, 2008




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