Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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5 Fragen an Tatiana Zhabitskaya




Es ist einige Jahre her, dass im Verlag Ripol-Klassik in Moskau das erste Buch aus meiner Feder ins Russische übersetzt wurde. Es war Faunblut und damals hatte ich das große Vergnügen, mit Tatiana Zhabitskaya in Kontakt zu treten. Sie ist nicht nur eine wunderbare und sehr einfühlsame Literaturübersetzerin mit einem Gespür für Zwischentöne und die "Sprachmelodie" eines Textes, sondern auch eine begeisterte Leserin, für die Literatur und Sprache einfach zum Leben gehören. Und ich freue mich ganz besonders darüber, sie heute hier vorstellen zu dürfen!


Liebe Tatiana, wie kamen Sie dazu, Literaturübersetzerin zu werden?
Einerseits war das ein Zufall: Der Verlag suchte eine Deutschübersetzerin und die Redakteurin war mit meiner Schwiegertochter Natascha gut bekannt. Andererseits hatte dieser Zufall vielleicht auch einen Hauch von Logik, da ich zu dieser Zeit für meine Enkelkinder schon einige deutsche Kinderbücher übersetzt hatte, die aber zu jener Zeit noch nicht veröffentlicht waren. So übersetzte ich im Auftrag des Verlags das erste große Buch - das von Ihnen verfasste Buch Faunblut. Wahrscheinlich sollte ich hier noch hinzufügen, dass mein Leben immer zweisprachig war. Deutsch ist meine Muttersprache. Und nach der Uni war ich im Laufe von fast 30 Jahren im Verlagswesen tätig, also war mir der Umgang, das Jonglieren mit Wörtern und Worten nicht nur vertraut, sondern machte mir wirklich Spaß.

Übersetzen ist ja immer ein nochmaliges Schreiben des Textes, ein Nachspüren und Nachdichten, um einen Roman in die andere Sprache "hinüberzutragen". Wie nähern Sie sich einem Text und der Sprache des Autors?
Ja, das ist wirklich so: Es ist immer ein Nachspüren. Ich stelle mir alles, was auf den Seiten des Buches vor mir erscheint und vom Autor beschrieben wurde, ganz deutlich vor. Wenn ich später dasselbe mit russischen Wörtern beschreibe, kann die Übersetzung nicht immer wortgetreu sein. Natürlich bemühe ich mich, dieselben oder ähnliche Vergleiche und Redewendungen zu benutzen. Aber die russische und die deutsche Sprachen sind so verschieden, dass es nicht immer möglich ist. Jede Sprache birgt ja ihre eigenen Geheimnisse. Beim Übersetzen ist es für mich wichtig, nicht nur die Gedanken, den Inhalt des Buches wiederzugeben, sondern auch der Sprache, der Melodie, der Tonart des Autors zu folgen. Und ich bin ganz glücklich, wenn der Rhythmus, die Melodie der Autorensprache mit meinem eigenen Sprachrhythmus und somit dem Rhythmus der Übersetzung übereinstimmt.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf ganz besonders?
Das Übersetzen ist mein Hobby. Und wenn mir eine gute Übersetzung gelingt, dann bin ich sehr zufrieden. Ganz besonders gefällt mir der Prozess des Übersetzens: wenn ich nach dem passenden Wort suche und es finde; wenn ich nachgrüble, ob es wirklich das richtige ist.
Und es gibt noch eine Nuance: Wenn die Übersetzung schon fertig ist, vergleiche ich nochmals die Texte und den Eindruck beider Texte auf den Leser. In der Regel stellt sich heraus, dass der russische Text im Vergleich zum deutschen nicht emotional genug ist. Obwohl mir das deutsche Buch gerade wegen seiner Emotionalität und Offenherzigkeit ganz besonders gefiel und alle Wörter in allen Sätzen von mir ganz getreu übersetzt wurden. Die Russen und dementsprechend auch die russische Sprache sind jedoch emotionaler als die deutsche Sprache, deshalb füge ich dem russischen Text gewöhnlich noch etwas "Salz und Pfeffer" hinzu, damit er genau so gut "schmeckt" wie der deutsche.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um ein guter Übersetzer zu werden?
Beobachtungsgabe, Aufmerksamkeit, Nachdenklichkeit. Und dazu noch ein sorgfältiges, behutsames Verhältnis zu den beiden Sprachen und - das gehört unbedingt dazu - Respekt gegenüber dem Autor.

Welchen zeitgenössischen russischen Autor würden Sie Lesern in Deutschland ans Herz legen?
Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war "Suleycha öffnet die Augen" von Gusel Jachina. Es ist das Debüt einer jungen Schriftstellerin aus Tatarstan (eine der Republiken an der Wolga). Im Mittelpunkt steht das Schicksal einer Tatarbäuerin im Zeitraum von 1930 bis 1946, der schwersten Zeit in der Geschichte unseres Landes. Das Buch ist in russischer Sprache geschrieben, gibt aber erstaunlich genau die Lebensweise und Sitten ihres Volkes zu jener Zeit wider. Schon auf den ersten Seiten des Buches haben die Authentizität, die Echtheit und gleichzeitig der Reiz ihrer Sprache, ihres Stils dazu beigetragen, dass ich das Lesen nicht unterbrechen wollte. Es ist spannend zu verfolgen, wie die junge Frau mit großer Würde unter fast unmenschlichen Umständen auf dem Angaraufer in Sibirien ihren Sohn zur Welt bringt und alles mögliche tut, damit er nicht verhungert. "Liebe und Zärtlichkeit in der Hölle" - das schrieb die bekannte russische Schriftstellerin Ludmila Ulitskaya in ihrer Rezension zu diesem Werk. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und ich möchte es allen Lesern empfehlen.

Liebe Tatiana, vielen Dank für diesen differenzierten und spannenden Einblick in Ihre Arbeit! Und danke auch für den Lesetipp. Beim Aufbau Verlag habe ich Gusel Jachina schon auf der Autorenliste entdeckt, und es sieht so aus, als könnten wir ihren in Russland bereits mit dem Buchpreis ausgezeichneten Roman bald auch in deutscher Übersetzung lesen.

Quadrat News 27.11.16

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Impressum: Nina Blazon, USt-IdNr.: DE227815019, c/o: Lese-Agentur Sabine Fecke, Meisenweg 10, 70565 Stuttgart
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