Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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5 Fragen an Thomas Le Blanc



Le Blanc
Es ist kaum möglich, all seine Berufungen und Talente in einem kurzen Vorstellungstext aufzuzählen, aber soviel sei gesagt: Ohne Thomas Le Blanc würde die absolut phantastischste Bibliothek am Rande des Universums (nein, Spaß! Sie steht in Wetzlar) nicht existieren. Und wenn Thomas nicht gerade hinter Bergen von Akten am Bibliotheks-Schreibtisch sitzt, ist er unter anderem Autor, Herausgeber , Lektor, Dozent, Sammler, Berater, Zukunftsforscher - und natürlich leidenschaftlicher Leser!


Lieber Thomas, du bist Vorstand der Phantastischen Bibliothek Wetzlar. Wie kam es dazu?
Bereits als Kind habe ich Phantastik jeder Art verschlungen: erst Micky Maus, dann Nick der Weltraumfahrer, dann Karl May und Perry Rhodan. Ich hatte einen (leider früh verstorbenen) Schulfreund, mit dem ich regelrecht um die Wette gelesen habe. Dann bin ich in die amerikanische Science Fiction eingestiegen, dann habe ich Tolkien entdeckt ... Ich habe nie aufgehört zu lesen, und ich werde auch heute nacht wieder eine Stunde von meinem Schlaf abzwacken, um in eine Fantasy-Welt abzutauchen. Über das Lesen bin ich zum Schreiben gekommen, habe in einer Zeit, als die Phantastik noch nicht das Ansehen von heute hatte, für eine große Zahl von Tageszeitungen über die einzelnen Genres berichtet, habe Autoren und Trends vorgestellt. Und eines Tages hatte ich so viele Kontakte, dass ich zum Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar gehen konnte und ihm die Idee einer Bibliothek für diese Literatur vorstellen konnte, die von allen Genre-Autoren und allen Genre-Verlagen unterstützt wurde. So wurde vor 29 Jahren eine kleine Ecke in der Stadtbibliothek Wetzlar zur Phantastischen Bibliothek Wetzlar deklariert - doch sie wuchs und wuchs und wuchs, und als sie der Stadt über den Kopf wuchs, haben wir sie als gemeinnützige Stiftung ausgegründet, und deren Vorstand bin ich heute. Ein Job allerdings, bei dem man noch Geld mitbringen muss. Dennoch ein Traumjob.

Du bist darüber hinaus Autor und Herausgeber spannender, experimenteller Literaturreihen
Angefangen hat es in den 1980er Jahren mit den zehnbändigen "Sternenanthologien" im Goldmann Verlag, in denen ich SF-Kurzgeschichten von deutschen Autoren veröffentlicht habe. Darin sind zum Beispiel die ersten Kurzgeschichten von Rainer Erler erschienen, der sonst nur als Macher von aufsehenerregenden Fernsehfilmen bekannt war ("Fleisch"), Wolfgang Hohlbein hat hier seine ersten Kurzgeschichten veröffentlicht, und auch Iny Klocke und Elmar Wohlrath, die heute als Iny Lorentz einen Bestseller nach dem anderen schreiben, haben hier angefangen. Außerdem habe ich als Lektor Wolfgang Hohlbeins "Enwor"-Romane betreut, und ich erinnere mich gerne an nächtelange Telefonate mit ihm, in dem wir die Abenteuer seiner Helden Skar und Del diskutiert haben. Dann habe ich eine Jugendbuchserie für Franckh-Kosmos entwickelt und später kurzzeitig Fantasy bei Weitbrecht herausgegeben. Heute betreue ich eine von der Phantastischen Bibliothek verlegte Reihe, die sich "Phantastische Miniaturen" nennt und von denen gerade der Band 18 erschienen ist. Darin werden von mir sehr ausgefallene Themen vorgegeben, die die Autoren zu Zwei-Seiten-Geschichten anregen sollen. Das ist eine besondere kreative Herausforderung und macht deshalb allen Beteiligten großen Spaß. Die entstehenden Geschichten sind teilweise recht skurril.

Karl May hat in der Phantastischen Bibliothek nicht nur eine eigene Abteilung, es entstehen hier in Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Autoren auch neue Werke in der Tradition des Meisters. Wie kamst du auf die Idee zu diesem Projekt?
Ich bin seit vielen Jahren Mitglied der Karl-May-Gesellschaft, und uns treibt die Herausforderung um, wie man die heutige Jugend für einen Autor begeistern kann, der in meiner Jugendzeit zur Lesegrundausstattung gehörte. Also habe ich mich gefragt, wie Karl May - wenn er heute durch einen Zeittunnel zu uns käme - heute schreiben würde. Ich behaupte, er würde Fantasy schreiben, und ich habe den Karl-May-Verlag davon überzeugen können, dass neue Abenteuer mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar, die in einem magischen Orient angesiedelt sind, also mit allen Ingredenzien der Fantasy versehen, auf das Interesse der Leser stoßen würden. In diesem Oktober werden zwei Romane und eine Anthologie erscheinen, in 2017 weitere drei Romane. Mit den Romanen bedienen wir einerseits die traditionellen Karl-May-Fans, denen wir neue Abenteuer mit ihren vertrauten Figuren liefern, andererseits sprechen wir die Fantasy-Liebhaber an, indem wir die Herausforderungen an die Helden mit zauberischen Mitteln lösen lassen. So kann auch der Schut, Karl Mays großer Bösewicht, wieder auferstehen und weitere Untaten begehen, und wir können Mays großes Defizit, dass er nämlich keine Frauen als Helden zugelassen hat, beseitigen, indem wir taffe Frauen einführen, die Kara Ben Nemsi das Leben schwer machen. Und wir können mit vielerlei Anspielungen (analog Terry Pratchett) Querbezüge zu anderer phantastischer Literatur herstellen.

Von den Klassikern der Abenteuerliteratur zur Science-Fiction: Die Stuttgarter Zeitung bezeichnete dich vor kurzem als "Science-Fiction-Berater". Was steckt dahinter?
Gute Science-Fiction-Literatur erzählt ja nicht nur spannende Abenteuer, sondern enthält viele Ideen über die Zukunft. Ich berate in unserem Projekt "Future Life" die Forschungsabteilungen einiger großer deutscher Firmen mithilfe von Zukunftsszenarien. Dazu erstelle ich mit meinem Team wissenschaftliche Studien, halte Vorträge und veranstalte Kreativseminare. Als ich mit dieser Idee vor etwa zehn Jahren Klinken putzen gegangen bin, hat man uns nur müde belächelt. Seit etwa drei, vier Jahren, da die Geschwindigkeit, mit der Novitäten entwickelt werden müssen, so rasant zugenommen hat, dass man mit herkömmlicher Zukunftsforschung nicht mehr nachkommt, sind wir jedoch sehr gefragt. Unsere Kunden kommen aus der Automobilbranche, der Robotik, Metallverarbeitung, Chemie und Pharmazie, den Medien, aber auch aus der Lebensmittelindustrie und der Arbeitsmarktforschung, wobei sich der Fokus immer mehr von technologischen auf soziale Themen verschiebt.

Hast du einen ganz persönlicher Herbst-Lesetipp für uns?
Mein persönlicher Tipp ist, mal wieder eines der phantastischen all-time Highlights zu lesen. Deshalb empfehle ich "Der Haarteppichknüpfer" von Andreas Eschbach, erschienen 1995. Für mich ein Jahrhundertroman. Oder genauer gesagt: wenn ich gefragt würde, welchen phantastischen Roman von einem deutschen Autor ich für den besten des 20. Jahrhunderts halte, würde ich den ankreuzen.

Danke für den Tipp und für das phantastische Interview! Und wer die wunderbare Phantastische Bibliothek kennenlernen will, der klicke auf: www.phantastik.eu

Quadrat News 11.09.16

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Impressum: Nina Blazon, USt-IdNr.: DE227815019, c/o: Lese-Agentur Sabine Fecke, Meisenweg 10, 70565 Stuttgart
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