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Interview ...
... auf www.buecher-leben.de
... auf www.fantasy-news.com
... auf www.webcritics.de
... auf www.booksection.de
Fragen ...
Immer wieder stellen mir Leser und Pressemenschen per Mail Fragen zum Leben, zum Schreiben und dem ganzen Rest. Hier ein
kleiner Antwort-Mix zum Stöbern:
"Auf deiner Website hab ich jetzt endlich mal die FAQ genauer studiert - die Fragen sind ja einfach richtig toll! Kamen
die tatsächlich alle von Lesern, oder hast du die dir selbst teilweise ausgedacht?"
Mitnichten! Das sind tatsächlich Fragen von richtigen Leuten - genauer gesagt die Highlights aus fast sechs Jahren
Mailanfragen von Lesern und Versatzstücke aus Interviews u.ä., da habe ich mir natürlich die besonders interessanten
Fragen rausgepickt.
Hören Sie beim Schreiben Musik?
Ich weiß zwar, dass einige Kollegen Musik laufen lassen, während sie schreiben. Mich würde es aber nur ablenken. Am
besten tippe ich in aller Stille.
Suchen Sie die Titelbilder für Ihre Bücher selbst aus?
Nein, das gehört gar nicht zu meinen Aufgaben, ich bin ja nur und ausschließlich für den Text zuständig. Als Autorin
verkaufe ich ja sozusagen nur die Nutzungsrechte an meinem Text an einen Verlag. Damit endet mein Part. Mit der
Gestaltung habe ich dann (auch in rechtlicher Hinsicht) nichts weiter zu tun. Alles, was mit der Gestaltung des
Buches (Cover, Bilder, Titel, Schrift, Design etc.) und mit dem Verkauf zu tun hat, ist (Entscheidungs-) Sache
des Verlages. Finde ich auch in Ordnung, ich bin schließlich kein Grafiker und auch kein Marketing-Experte, der
beurteilen kann, welches Cover sich auf dem Buchmarkt gut abhebt und auffällt. Ich bekomme die verschiedenen
Cover-Entwürfe zwar schon mal vorab gezeigt, aber die Entscheidung trifft der Verlag - und er ist dann auch für
das fertige Cover verantwortlich.
Waren Sie schon mal unzufrieden mit einem Titelbild?
Nein, ich fand sie bisher alle schön. Manche schöner, manche "ok", aber, wie gesagt: Ich bin der Autor, nicht der
Leser und auch nicht der Grafiker, der beurteilen kann, ob ein Cover "funktioniert". Also lasse ich die Fachleute
vom Verlag gerne machen und freue mich einfach, wenn ich meine Belegexemplare bekomme.
"Ich habe eine Idee für einen Roman und habe auch schon ein paar Kapitel geschrieben. Anbei der Text. Über Kritik,
Feedback und Tipps würde ich mich sehr freuen. Ich bin schon gespannt, was Sie davon halten."
Auf die Gefahr hin, dass meine Antwort eine große Enttäuschung wird: Das kann ich leider nicht machen. Alle Texte im
Anhang löscht meine Agentur schon vorsorglich komplett, bevor sie mir die reine Nachricht weiterleitet. Aber auch ich
würde alle Textanhänge grundsätzlich ungelesen löschen. Und sogar löschen müssen. Abgesehen davon, dass ich mich als
Lektor wirklich nicht gut eigne und mir auch schlichtweg die Zeit für eine solche Betreuung von Texten fehlt, gibt es
dafür auch einen ganz einfachen, juristischen Grund: Nehmen wir mal an, in der mir zugeschickten Geschichte ist
zufällig (!) irgendeine Idee oder auch nur der Hauch einer Idee, wie sie so oder auch nur in ähnlicher oder
abgewandelter und verwandter Form in dem Romanprojekt vorkommt, an dem ich gerade arbeite (das kann passieren -
in der Fantasy ähneln sich schon mal Elemente oder Personenkonstellationen. Und manchmal haben tatsächlich zwei
Leute zufällig eine ähnliche Idee). Dann müsste ich konsequenterweise meine Idee oder im schlimmsten Fall sogar
einen bereits geschriebenen Textteil schlichtweg wegwerfen. Denn ansonsten könnte sich später folgende Situation
ergeben: Der Roman erscheint, der/die Leser/in liest ihn und denkt sich: "Moment mal, das war doch MEINE Idee. Ich
habe der Autorin doch damals meinen Text geschickt!" Ich hätte dann alle Hände voll zu tun, um zu beweisen, dass
mein Exposé älter ist als die Mail und es gäbe ganz sicher trotzdem böses Blut, verletzte Gefühle oder
Schlimmeres. Ich bitte also um Verständnis, dass ich keine Texte lesen, kommentieren und lektorieren kann.
Welche Bedeutung hat Lesen für Sie?
Lesen ist lebenswichtig. Es ist gleichzeitig das Tor zur realen Welt und zu den Gedankenwelten anderer Menschen. Und es
ist und bleibt die einzige Möglichkeit, mehrere Leben in verschiedenen Zeiten und Dimensionen zu leben und sie - was noch
wichtiger ist - miterleben, nachfühlen und im besten Fall sogar verstehen zu können.
Ihr Lieblingsbuch?
Wenn ich nur eins nennen darf, dann nehme ich Theodore Sturgeon: "Aus vielen Einhorn".
Was macht ein gutes Kinderbuch aus?
Es belehrt nicht, sondern traut seinem Helden und seinen Lesern was zu!
Wer ist für Sie der größte Kinder- oder Jugendbuchschriftsteller?
Astrid Lindgren, wobei ich sie erst mit über zwanzig Jahren richtig entdeckt habe.
Welche Helden und Heldinnen haben Sie?
Helden aus Büchern? Eher die verkannten und tiefgründigen, die, die nicht toll, perfekt und stark sind. So gesehen sind
die aufmüpfige Madita von Astrid Lindgren und der unsichere Bastian aus der unendlichen Geschichte meine "Herzenshelden".
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Seite 1 bis 150: Ins Büro kommen, Anstehendes abarbeiten (Artikel, Werbetexte, Recherchen etc.), dann die Pausen oder
"Schleuderzeiten" fürs Buch nutzen. Notizen mache ich überall - in der S-Bahn, im Wartezimmer ...
Ab Seite 150: Morgens in Büro kommen, Kaffee machen, hinsetzen, schreiben! Essen vergessen, Kaffee nachschütten,
schreiben, heimgehen, nachts mit Idee wieder aufwachen.
Nach dem Wort "Ende": Viele "Doch-ich-lebe-noch"-Anrufe tätigen, Essen gehen, feiern, morgens in der S-Bahn Notizen für
das nächste Buch machen.
Wie entwickeln Sie Ihre Gestalten?
Es gibt ein paar Grundfragen, die ich mir zu jeder Figur beantworte: "Was liebt sie?", "Was ersehnt sie, was hasst
sie?", "Was ist ihr wunder Punkt?" Eng damit verknüpft ist die Frage: "Was ist das Schlimmste, das ihr im Hinblick
auf den wunden Punkt passieren kann?" Das wird der Figur im Roman natürlich garantiert zustoßen, sonst kann sie sich
ja nicht weiterentwickeln, ängste überwinden, ihren Platz im Leben finden und/oder neu definieren. Ich weiß also, wo
die Figur am Anfang steht und wo sie am Ende ankommen soll. Kenne ich ihren Charakter und die Entwicklungslinie,
ergibt sich daraus die Handlung.
Was ist für Sie der wesentliche Faktor beim Schreiben?
Faktor 1: Disziplin! Das ist das Gerüst, das alles zusammenhält und 80 % des Buches ausmacht.
Faktor 2: Liebe auf den ersten (Tasten-) Klick! Weil ich mich in meine Figuren verliebe - auch in die Bösewichte -
und dann nicht von ihnen lassen kann.
Wann wissen Sie, dass eine Geschichte trägt und ob sie gut gelungen ist?
Eigentlich erst, wenn die ersten Lesermeinungen eintrudeln. Als Autor hat man wohl immer ein verzerrtes Bild, da man
alle Handlungsstränge kennt und sich gedanklich mit bestimmten Szenen überproportional lange beschäftigt, sodass sie
im Kopf eine ganz andere Gewichtung bekommen. Für mich ist die Geschichte gelungen, sobald ein Leser (möglichst kein
Verwandter, die sind per se betriebsblind) mir zu verstehen gibt, dass die Geschichte für ihn eine runde,
nachvollziehbare Sache war, dass er mitgefiebert hat und das Buch mit dem zufriedenen Gefühl "Ja, so passt es"
ins Buchregal gestellt hat.
Können Sie den Moment beschreiben, wenn ein Buch für Sie völlig abgeschlossen ist? Wie geht's Ihnen in diesem
Augenblick?
Der Moment sieht so aus, dass das Lektorat anruft und sagt: "Es ist im Druck." Das ist der "Point of no return",
es sind keine Korrekturen mehr möglich. Dann lege ich den Hörer auf und bin sehr erleichtert, gleichzeitig aber
auch sehr nervös. Ehrlich gesagt folgt dann immer eine schlaflose Nacht, weil ich mir vorstelle, wie ein Leser mir
ein frisch gedrucktes Exemplar unter die Nase hält und Sachen sagt wie: "Warum gehen die Krieger auf Seite 178 nicht
einfach durchs Osttor und sparen sich den ganzen Krieg? Das steht doch seit Seite 56 schon offen!"
Viele junge Menschen, die Schriftsteller werden wollen, haben vor, Germanistik zu studieren. Hat das Studium Ihnen
im Bezug auf die Schriftstellerkarriere etwas gebracht?
Insofern, dass ich in der Zeit unglaublich viel gelesen habe, war es schon gut. Der überblick über die Literatur
verschiedener Jahrhunderte, das Wissen um die Formen des Romans und wie Schriftsteller aus allen Epochen sie umgesetzt
und erweitert haben, das ist auf jeden Fall als Anschauungsmaterial nützlich und bewahrt den Schreiberling, glaube ich,
auch vor dem Höhenflug, man sei ein Genie und habe das Geschichtenerzählen neu erfunden. Mir persönlich hat das Studium
viel für die Vorarbeit zu einem Roman gebracht: Recherchieren, Material aufbereiten, diszipliniertes (wissenschaftliches)
Schreiben. Das lernt man aber in jedem Studium - ob es nun Germanistik, Psychologie oder Geschichte ist. Grundsätzlich
muss ich aber sagen, dass es nicht unbedingt ein logischer Schritt vom Studium zum Schreiben ist. Wer ohnehin viel (!)
liest und Disziplin und Leidenschaft mitbringt, wird mit oder ohne Studium schreiben.
Wie kam es, dass Sie neben Fantasy-Romanen auch Krimis und historische Romane schreiben?
Wie so oft im Leben durch einen Impuls von außen nach dem "Jungfrau zum Kinde"-Prinzip. Ein Verlag hatte Bedarf an
historischen Stoffen, ein anderer fragte zeitgleich nach zeitgenössischem Krimi. Und die Fantasy-Autorin saß am
Schreibtisch und grübelte, ob sie den Sprung in die kalten Gewässer dieser unbekannten Genres überleben oder
jämmerlich untergehen wird. Nun, der Mensch wächst mit den Aufgaben. Also ab ins Wasser!
Wie recherchieren Sie für die historischen Romane? Können Sie vielleicht ein paar Tipps für junge Autoren geben?
Am Beginn steht immer eine große Materialsammlung quer durch alle Themengebiete der jeweiligen Epoche. Schreibe ich über
eine historische Persönlichkeit, lese ich einen ganzen Stapel von Biographien. Erlaubt es die Zeit, reise ich für ein
paar Tage an den Ort des Geschehens, versuche an Unterlagen im Stadtarchiv heranzukommen, sitze in Bibliotheken und
mache mir in Museen Notizen (alte Stadtpläne und Modelle sind Gold wert!). Bei der "Feinarbeit" hole ich mir dann
gezielt Fachbücher oder spreche Leute an, die sich mit ganz speziellen Themen auskennen. Für den Roman "Katharina"
konnte mir ein Experte vom Elefantenschutz Europa e.V. sehr detaillierte Informationen zur Haltung von Elefanten
im Russland des 18. Jahrhunderts geben. Auf einen Nenner gebracht, könnte man also sagen: Niemals auf reine
Internetrecherche setzen, Bücher (mit dem neuesten Forschungsstand!) holen, Daten vergleichen und prüfen, vor
Ort recherchieren, Fachleute ansprechen!
Was halten Sie im Leben für völlig überflüssig?
Statussymbole.
Wo und wie erholen Sie sich?
Im Kino. Ein richtiger Kurzurlaub ist auch ein Samstag in der Stadtbücherei in Stuttgart: Kaffeeautomat, Liegestuhl
auf dem historischen Balkon, einen Stapel Bücher neben sich, die man "querlesen" kann, etwa "Lexikon des Aberglaubens",
"Die Kultur der Kelten", "Calvin und Hobbes" und "Die Tiefsee".
Was bedeutet für Sie Erfolg?
Zufrieden zu sein mit dem, was man macht und gute Freunde zu haben. Und da fällt mir auch noch ein superkluger Spruch
ein: Rückblickend bereut man ja bekanntlich vor allem die Dinge, die man NICHT getan hat. Erfolg wäre also, rückblickend
sagen zu können: Es ist zwar hier und da bildschön schief gegangen, aber dafür war es ein richtiges Leben und keine "Hätte-ich-doch-damals"-Zitatesammlung.
Was wünschen Sie Ihren Büchern?
Dass sie zerlesen aussehen, viele Eselsohren und Kaffeeflecken vom Wachhalte-Kaffee haben und dass vorne in der
Klappseite gekritzelte Sätze stehen wie: "Wehe, du bringst es nicht wieder!"
Was wünschen Sie ihren Leser/innen?
Dass sie sich auch in die eine oder andere Figur verlieben können, dass sie in Tjärg und anderswo ein bisschen
Urlaub machen können und vor allem: dass sie den Mut haben, auch im schnöden Alltag das Träumen niemals zu vergessen!
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