Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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Rubrik Fantasy, Historie, Krimi, Kinderbuch


Russalka Hier verwischen sich die Grenzen zwischen historischem Roman und Fantasy. Der Roman spielt drei Jahre nach der Gründung von St. Petersburg, also im Jahr 1706, an der Newa-Mündung - mitten auf Zar Peters riesiger Baustelle! Hauptperson ist der junge Zimmermann Johannes Brehm, der (wie viele Deutsche in jener Zeit) in Russland seine Zukunft sucht. Weitere Figuren auf der Besetzungsliste: Zar Peter himself, der Architekt Domenico Trezzini, der Hofmedicus Dr. Rosentrost, ein Narr, ein geheimnisvoller Fischerjunge und natürlich ein Wesen, das niemand in der Newa vermutet hätte!


Weiße Nächte und Winterstürme
Die Newa-Mündung im Sommer 1706: Zehntausende von Leibeigenen rammen Eichenpfähle in den sumpfigen Boden und schütten Wälle auf. Noch gleicht Zar Peters zukünftige Festungsstadt an vielen Stellen einer schlammigen Barackensiedlung. Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal, die Arbeiter leiden unter den Mücken und Krankheiten, den Winterstürmen und der Nahrungsknappheit. Viele von ihnen verhungern. Erst wenige Jahre zuvor ist die schwedische Festung Nyenschanz gefallen, nach wie vor tobt der nordische Krieg, manchmal hört man an Land die Geschützfeuer der Seeschlachten. Eben erst wurde begonnen, die Erdwälle der Peter- und Paul-Festung auf der Haseninsel durch solide Steinmauern zu ersetzen. Für den Bau von Sankt Petersburg hat der Zar unzählige Architekten, Wasserwerker, Kanalbauer und Zimmerleute aus Deutschland, Holland, Frankreich, Italien und anderen Ländern angeworben. Zu ihnen gehört auch Johannes Brehm, ein junger Zimmermann aus der Nähe von Magdeburg. Johannes fühlt sich, als sei er in der Hölle gelandet. Doch er ahnt nicht, dass das eigentliche Abenteuer für ihn erst noch beginnen wird - eines Tages nämlich wird ein ertrunkenes Mädchen aus der Newa gezogen ... Historischer Roman und Fantasy - in dem Roman "Russalka" (Arbeitstitel) wollte ich beides verbinden. Und wo findet man mehr mystische Motive und Gestalten als in der russischen Geisterwelt? Hier eine kleiner Einblick in die Ideen- und Materialsammlung zur Entstehung des Romans:

Im Reich der russischen Geister
Ja, da gab es vor allem vor der Christianisierung so einige. Lustig drauf ist zum Beispiel der Waldgeist Leschij. Er trägt seinen linken Schuh am rechten Fuß und seine Mütze verkehrt herum. Seine Heimat sind die Wälder Osteuropas. Hier schickt er Wanderer gerne in die falsche Richtung (naja, aber mal ehrlich: Warum fragt man jemanden, der nicht mal rechts und links unterscheiden kann, nach dem Weg?). Abgebrochene äste und umgestürzte Bäume sind ein Zeichen dafür, dass Schnapsnase Leschij an dieser Stelle gefeiert und sich geprügelt hat. Nett, nett. Aber auch zu Hause kann man Geistern begegnen, zum Beispiel dem "Domovoj". Früher schickte man stets eine Katze oder Hahn zuerst über die Schwelle eines neuen Hauses - diese Tiere waren vor seinem Zorn sicher. Und wenn nicht - naja, war ja besser, wenn es sich die Miezekatze mit dem Hausgeist verdarb. Angeblich nehmen noch heute viele Menschen eine Katze mit, wenn sie umziehen. Und für alle, die gerne baden: Immer schön ein bisschen Wasser für den "Bannik", den Geist des Bades, übrig lassen! Nicht, dass er aus Rache das Quietscheentchen meuchelt. Mitten unter diesen Geistern tummelt sich auch die sagenumwobene ...

... Russalka
Dieser Wassergeist wird oft als Nixe dargestellt, manchmal aber auch als schöne Frau, die nach Sonnenuntergang am Flussufer oder auf Friedhöfen auftaucht, wo sie mit wehendem Haar im Mondschein tanzt. In manchen Geschichten heißt es, sie sei eine Ertrunkene, geistere in Mühlenweihern und beschäftige sich damit, noch lebende Leute in ihre Behausung zu locken. Früher feierte man in den ersten Sommerwochen ein "Russalnaja"-Fest und zelebrierte Beerdigungsrituale, die die Nixe fernhalten sollten. Nun, im Roman nützt auch dieser Exorzismus nicht viel, denn die alten geheimnisvollen Newa-Nixen haben nu wirklich nichts mit Arielle oder sonstigem romantischen Meerjunggemüse zu tun. Ein Zitat "meiner" Russalka: "Ich bin Fisch, Fleisch, Teufelswerk oder Engelsgesicht. Blut kann köstlich sein!"

Peter der Erste: groß oder schrecklich?
Beides! Manche Historiker sind der Ansicht, die Bezeichnung "groß" würde nur für Zar Peters Körpergröße zutreffen (Peter maß mehr als zwei Meter) und der Beiname "Der Schreckliche" würde viel besser zu ihm passen. Mit eiserner Hand ordnete er sein Reich neu, schaffte eine Verwaltung nach westeuropäischem Muster, baute eine straff organisierte Armee auf, kümmerte sich um Industrie und Medizin. In jeder Hinsicht hat Zar Peter exzessiv regiert und gelebt. Seinen Charakter umschrieb ein Historiker mit dem Begriff "barbarische Brutalität". Zweifellos war Peter eine schillernde Persönlichkeit, manchmal sanft und großzügig, oft unberechenbar, aufbrausend und grausam. Er sprach deutsch und holländisch und liebte es, sich in der "Ausländervorstadt" in Moskau aufzuhalten.

Zar und Zahnarzt
Es gab kaum ein Handwerk, das er nicht erlernte, und auch die Medizin interessierte ihn. Die bekanntesten Anekdoten handeln von Zar Peters Aktivitäten als Zahnarzt. In seiner Begeisterung für diese Wissenschaft hatte er seine Extraktionszange immer in Greifweite. Sehr stolz war er auf einen Beutel voller Zähne, die er gezogen hatte. Angeblich sollen die meisten davon völlig gesund gewesen sein. Kein Wunder, dass die Bediensteten versuchten, Zahnschmerzen vor ihrem Herrn zu verbergen. Von einem Kammerdiener namens Polubojarow wird allerdings berichtet, dass er sich Zar Peters Leidenschaft fürs Extrahieren nach dem Motto "Zahn um Zahn" zunutze machte: Als er erfuhr, dass seine Frau ihn betrog, erzählte er dem Zaren, die ärmste hätte so jämmerlich über Zahnschmerzen geklagt ...

Zurück ins Zarenreich - die Recherche
Natürlich sollten die Daten und Fakten korrekt sein. Spannend war es, die Informationen zusammenzutragen und ganz tief in diese Zeit einzutauchen. Verwendet habe ich Notizen und Skizzen zu den Hauptpersonen, Kopien und Informationen zu historischen Uniformen und zur Inspiration auch "Nixen-Bilder" aller Art. Im Baden-Württembergischen Landesmuseum fanden sich Alltagsgegenstände und wertvolle Trinkschalen aus jener Zeit. Eine wichtige Quelle waren Fachbücher aus der Landesbibliothek, darunter eine Sammlung von Vorträgen über "Deutsch-russische Beziehungen in der Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts" und auch die eine oder andere skurrile Schrift .

Peters "Monster-Erlasse"
Im Buch "ärzte im Russland des achtzehnten Jahrhunderts" fand ich das Vorbild für den Medicus Dr. Thomas Rosentrost, der in der "Russalka" eine wichtige Rolle spielt. Im wirklichen Leben hieß dieser Arzt Laurentius Blumentrost d. J. Er verwaltete Zar Peters "Kunstkammer". Wie die meisten Herrscher jener Zeit sammelte Zar Peter Kuriositäten aller Art. Dazu gehörten ausgestopfte Tiere, präparierte Körperteile, seltene Pflanzen und vieles mehr. In seinen sogenannten "Monster-Erlassen" verbot er das Verstecken oder das Begraben missgestalteter Menschen und Tiere. Solche "Monstrositäten" - ob Mensch oder Tier, ob tot oder lebendig - ließ der Zar aus dem ganzen Reich nach St. Petersburg kommen und klärte über die natürlichen Ursachen von Missbildungen auf. Im Roman-Kapitel "Dr. Rosentrosts Monster" dürfen die Leser zusammen mit Johannes in Zar Peters "Monstrositäten-Cabinett" eintreten.

Tagebuch einer Reise nach Russland
Besser als alle Reiseführer, Biografien und alte Stadtpläne eigneten sich natürlich Reiseberichte und Tagebücher für die Recherche. Eine wahre Schatzkammer war hier das Tagebuch von Johann Georg Korb, der Ende des 17. Jahrhunderts als kaiserlicher Gesandter in Moskau weilte. Zwei Jahre lang führte er detailliert über alles Buch, was er sah - oft natürlich aus der subjektiven Perspektive des etwas voreingenommenen Westlers. Aber diese Sichtweise passte auch sehr gut zur Hauptperson des Romans, Johannes Brehm, dem die russische Lebensweise und die Bräuche anfangs sehr fremd und manchmal auch barbarisch vorkommen. Hier ein paar Zitate aus Korbs Tagebuch:
Lauschiges vom Brückenbau in Moskau: "Der übergang über den Fluss war nicht ganz frei von Gefahr. Denn die hölzerne Brücke überspannte den Fluss nur in der Mitte und erstreckte sich an keiner Seite bis zu den Ufern, sodass das Betreten und Verlassen der Brücke von beachtlicher Schwierigkeit war. Doch die Russen achten die Gefahren derartiger schlecht gebauter Brücken für nichts oder auf jeden Fall nur geringfügig, obwohl manchmal nicht wenige Personen verschlungen werden, die der unvermuteten Abschüssigkeit zum Opfer fallen."
Was im Umgang mit einem Priester zu beachten war: "Die übertragung des (Priester-) Amtes erfolgt durch Handauflegung, zugleich setzt man dem neuen Amtsbruder eine Binde aufs Haupt, die sogen. Skuffia, die vom Patriarchen geweiht ist und mit peinlichster Sorgfalt behütet werden muss. Denn wer ihrer verlustig ginge, und wäre es auch durch Zufall, würde des geistlichen Dienstes für unwürdig erachtet werden. Falls etwa ein Laie mit einem Popen in Streit gerät, muss er sich nur in Acht nehmen, die Binde nicht zu beschmutzen; wenn er den Popen verprügeln will, muss er sie ihm mit gebührender Achtung vom Kopf nehmen und einstweilen an einem schicklichen Ort niederlegen. Dann kann er den Priester ungestraft und nach Belieben prügeln. Nicht Gesetz, nicht Strafe oder Bann wird ihn treffen, soferne er ihm nur nach Verabreichung der Hiebe oder Püffe die zuvor abgenommene Binde wieder mit der gebührenden Achtung aufsetzt."
Osterbräuche: "Bei den Russen hat sich folgende Sitte behauptet: Vom Osterfest bis zum Tag der glorreichen Himmelfahrt des Herrn begrüßen sich die einander Begegnenden an jeglichem Ort, auch auf Scheidewegen und öffentlichen Straßen, mit folgendem Zuruf: éChristus ist erstanden'. Der so begrüßte Mann bzw. die Frau antwortet sogleich, nimmt das Ei entgegen, das der Grüßende für gewöhnlich reicht, und ist nun gehalten, den Friedenskuss zu geben und zu empfangen. (...) Dieser Brauch des Grüßens und Küssens erlaubt keine Unterschiede des Standes oder Ranges, keinen Gedanken an Unterschiede; keiner der Großen wird dem Geringsten aus dem Volke, sofern er nur ein rotes Ei anbietet, den erbetenen Kuss verweigern; keine verheiratete Frau findet in ihrer Sittsamkeit, keine unverheiratete in ihrer Schüchternheit eine Entschuldigung; es gälte als Verbrechen, das angebotene Ei auszuschlagen oder dem Kuss auszuweichen; den Geringsten ist die Niedrigkeit genommen, niemand hat Angst vor einem unbesonnenen Benehmen. Desgleichen begehen sie die Osterfeiertage, denen die lange Zeit des strengen Fastens vorausgeht, mit fortgesetzter lärmender Ausgelassenheit. Dabei sind die Frauen nicht zurückhaltender als die Männer; meist sind sie die ersten, die von dem übertriebenen Branntweingenuss den Verstand verlieren und fast in allen Straßen kann man die leichenblassen, halbnackten, schamlosen Gestalten erblicken."




Die gebundene Ausgabe (Hardcover):

Hardcover 264 Seiten, 14.95 Euro (D)
ISBN: 3-8000-5159-1, Verlag: Ueberreuter, 2005























Quadrat News 10.08.17

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