Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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Rubrik Fantasy, Historie, Krimi, Kinderbuch


Hand Zarin Katharina Alle am russischen Hof wissen es: Die kränkliche Zarin Elisabeth wird nicht ewig leben. Aber soll wirklich ihr Neffe Peter, der "verrückte Holsteiner", die Thronfolge antreten? Mit einem gewagten Plan will Peters Ehefrau Katharina den Thron für sich selbst erobern. Der Weg dorthin ist voller Gefahren und Intrigen, Katharina und ihre Verbündeten begeben sich in Lebensgefahr. Doch während die Hofdame Valentina und der junge Soldat Dimitrij ihrer zukünftigen Zarin dienen, verfolgt das sibirische Nomadenmädchen Sinaida ganz eigene Pläne: Eines Tages will sie den Jäger finden, der sie an den russischen Hof verschleppte, und Rache nehmen.





Infos zur Recherche:

Die Fakten: Eine deutsche Prinzessin wird Zarin
Sophie Friederike Auguste Prinzessin von Anhalt-Zerbst wurde 1729 im Schloss von Stettin geboren. Ihr späterer Gemahl, Peter Ulrich Herzog von Holstein-Gottorp, war der Neffe der Zarin Elisabeth Petrowna (1709-1762). Da sie kinderlos war, rief sie Peter als Thronfolger nach Russland. Sophie kam im Alter von 16 Jahren in ihre neue Heimat. In Moskau nahm sie den orthodoxen Glauben und hieß von diesem Zeitpunkt an Jekaterina (Katharina) Alexejewna. Von ihrem Mann, der nur ein Jahr älter war als sie, war sie nicht besonders begeistert. In ihren Memoiren schrieb sie später: "Was mich anging, so war er mir bei seiner Sinnesart ziemlich gleichgültig; aber die Krone von Russland war es mir nicht." Die Ehe war nicht glücklich: "Wenn er hätte geliebt sein wollen, so wäre dies nicht schwer für mich gewesen: Ich war von Natur aus geneigt und daran gewöhnt, meine Pflichten zu erfüllen; aber ich hätte einen Gemahl haben müssen, der gesunden Menschenverstand hatte, und diesen hatte er nicht." Im Jahr 1762 entthronte Katharina in einem spektakulären Staatsstreich ihren Mann und ließ sich zur Alleinherrscherin ausrufen. Peter kam einige Wochen nach seiner Entthronung angeblich "durch eine verderbliche Kolik" ums Leben. In Wirklichkeit wurde er von Katharinas Getreuen erdrosselt. Ob Katharina den Tod ihres Gatten geplant oder nur billigend in Kauf genommen hat, ist heute nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren. Vermutlich hatten die Soldaten auf eigene Faust gehandelt, Katharina bestrafte die Mörder ihres Mannes allerdings nicht, sondern belohnte sie mit Auszeichnungen.
Katharina die Zweite wurde in Moskau gekrönt und regierte bis 1796. Während ihrer Regierungszeit verbot sie die Folter, setzte der Rolle Schwedens als europäischer Großmacht ein Ende und eroberte neue Gebiete. Schließlich herrschte sie über ein riesiges Reich, das ein Sechstel der Erde umfasste.

Die Recherche: Katharina in eigenen Worten
Wie bei jeder Figur in meinen Romanen, die ein historisches Vorbild hat, orientiere ich mich auch bei Katharina an ihren eigenen Worten. Zum Glück hat die Zarin sehr ausführliche Memoiren verfasst. Natürlich muss man hier auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen und sich bewusst machen, dass die Schreiberin selbst nicht immer objektiv berichtet. Schließlich rechnete sie damit, dass ihre Memoiren der Nachwelt erhalten bleiben würden, und zeichnete sehr bewusst ein bestimmtes Bild von sich. Vor allem ihren Mann, Peter III, beschreibt sie nicht sehr wohlwollend und übertreibt vermutlich an einigen Stellen bei der Beschreibung seines schwachsinnigen Charakters und seiner Grausamkeit. Andere Zeitzeugen beschreiben ihn als durchaus nicht als komplett Verrückten. Ein bisschen habe ich im Roman versucht, beide Facetten von ihm durchscheinen zu lassen. Sein skandalöses Benehmen bei der Beerdigung der Zarin ist allerdings nicht nur in Katharinas Aufzeichnungen beschrieben worden. Und als meine Lektorin mich fragte: "Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen, wie er sich da aufführt?", konnte ich sagen: "So ist es aber historisch von mehreren Seiten verbürgt."
Sehr interessant und auch schockierend waren die Beschreibungen über das Leben bei Hof und der Umgang mit der jungen Großfürstin Katharina. Nach der Geburt des Thronfolgers Paul wurde sie tatsächlich einfach im zugigen Zimmer vergessen und erst nach drei Stunden von einer Hofdame zufällig entdeckt, als diese ein blaues Cape holte, das die Zarin im Geburtszimmer vergessen hatte. Auch die Beschreibungen, wie schäbig, alt und schlecht beheizbar die Schlösser waren, die Allüren der alternden Zarin, die "Maskenbälle der Verwandlungen", bei denen die Männer Frauenröcke tragen mussten, und vieles mehr ist den Aufzeichnungen von Katharina und ihren Zeitzeugen entnommen.

Die Fiktion: Welche Figuren sind erfunden?
Ganz klar: Alle drei Hauptfiguren! Das Nomadenmädchen Sinaida gab es in Wirklichkeit ebensowenig wie den jungen Kadetten Dimitrij und die stolze Gräfin Valentina Swarowa. Gerade in diesem Roman war es eine große Herausforderung, die fiktiven Personen mit den historischen Figuren zu verknüpfen und so einzupassen, dass der geschichtliche Handlungsfaden dennoch lückenlos erhalten blieb. Personen, die es wirklich gab: Neben Katharina, Peter III und Zarin Elisabeth sind das natürlich Katharinas Verbündete und Feinde, darunter die Schuwalows und Woronzows (Elisabeth schielte angeblich wirklich, ihren Buckel habe ich aber im Roman glatt unterschlagen), Kanzler Bestuschew, Nikita Panin und der polnische Graf Poniatowski. Die Brüder Orlow gab es ebenfalls, auch wenn es immer wieder unterschiedliche Aussagen gibt, ob es nun vier oder fünf Brüder waren. Die Freundin meiner "Kunstfigur" Gräfin Swarowa, die unglückliche Natalja Lopuchina, hatte ein schweres Schicksal: Sie trug bei einem Ball eine rosa Rose im Haar - so wie Zarin Elisabeth. Die Zarin war so wütend darüber, dass sie Natalja ohrfeigte und ihr noch auf dem Ball die Haarsträhne samt Rose abschnitt. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Da die Zarin der Meinung war, Natalja und ihre Familie würden sie kritisieren, ließ sie Natalja und ihren Mann foltern, auspeitschen und nach Sibirien verbannen.



Interview für die Ravensburger-Programmvorschau:

Frau Blazon, nach Kristina von Schweden nun ein Roman über Katharina II. Was gefällt Ihnen an monarchischen Frauengestalten?
Die Menschen unter der Krone! Es ist einfach interessant, eine politische Karriere nachzuzeichnen und zu zeigen, wie viel Taktik, Zufälle, Disziplin und Rücksichtslosigkeit nötig waren, um den Weg zum Thron zu meistern. Mich interessieren dabei auch die persönlichen Aspekte: Welche Entscheidungen mussten die Frauen treffen? Haben sie an sich gezweifelt? Wie gingen sie mit für uns so alltäglichen Dingen des Lebens wie Liebe, Freundschaft und auch Feindschaft um?

Um Katharina zu porträtieren wählen Sie drei sehr unterschiedliche Perspektiven. Was motivierte Sie zu dieser Komposition?
Für den Leser erfüllt jede der Figuren eine andere Funktion:
Das Nomadenmädchen Sinaida stammt aus einem völlig fremden Kulturkreis und muss das Leben bei Hof von Grund auf erlernen, fast wie ein Kind. Dadurch hat sie natürlich einen ganz unvoreingenommen Blick auf die Personen und Ereignisse. Der Leser lernt mit ihr zusammen den Zarenhof, die Denkweisen und die Werte dieser Gesellschaft kennen.
Gräfin Valentina Swarowa als Vertreterin des Hochadels beleuchtet die Intrigen und Machtmechanismen im Detail, vermittelt dem Leser das "Inside-Wissen" und wertet die Ereignisse.
Der junge Kadett Dima Jessenin schließlich ist ein Vertreter des Militärs und gibt einen Einblick in die Entscheidungen, die vor und während des Putsches innerhalb der Kasernen getroffen wurden. Mir war es wichtig, dass jeder Leser - ob mit viel, wenig, oder gar keinem Hintergrundwissen - eine Figur hat, auf die er sich konzentrieren kann. Wer möchte, liest das Buch als Liebes- und Abenteuergeschichte und bleibt dabei dicht bei Sinaida, wen die Politik interessiert, kann sich an Valentina halten.

Einen ganz außergewöhnlichen Blickwinkel auf das Leben am Zarenhof eröffnet das Nomadenmädchen Sinaida. Ist diese Figur frei erfunden oder gab es tatsächlich Jäger, die Kinder sibirischer Nomaden gefangen nahmen und an den Hof nach Sankt Petersburg brachten?
Glaubt man den Berichten, haben die Jäger damals so ziemlich alles verschleppt, was nicht niet- und nagelfest war. Menschen verschiedenster Völker wurden als lebende Kuriositäten verschenkt, verkauft und auch unter den Königshöfen als Leihgaben ausgetauscht. Der italienische Kastrat Filippo Balatri, der selbst einige Jahre als "Leihgabe" am Zarenhof verbrachte, berichtet in seinen Memoiren von einer solchen Begebenheit, wie ich sie im Roman beschrieben habe: Zwei gefangene Samojedenkinder wurden mit einem Lamm eingesperrt. Doch statt es, wie erhofft, zu zerreißen, begnügten sie sich zur Enttäuschung der sensationslüsternen Höflinge damit, das Tier lediglich "schüchtern zu streicheln". Die "Samojeden" (wörtlich in etwa mit "Selbst-Esser" zu übersetzen), wie die Nenzen oft genannt wurden, hat man früher tatsächlich für Menschenfresser gehalten. Sinaida wird im Roman zwar als "Samojedin" bezeichnet, ist aber eine Kunstfigur aus mehreren Kulturen. Nenzen und Jakuten spielen mit hinein, aber auch die Inuit-Kultur mit der Meeresgöttin Sedna. Die Worte zu den verschiedenen Schneearten, die ich Sinaida im Roman in den Mund lege, stammen aus der Sprache der Inuit. Andere Worte habe ich dem "Jurakosamojedischen Wörterbuch" von T. Lehtisalo entnommen.

Auf welche Quellen haben sie zurückgegriffen?
Hauptsächlich auf Katharinas Memoiren, Korrespondenzen und auf Augenzeugenberichte aus jener Zeit. Vor allem bei Katharina wollte ich mich auf Aussagen aus ihrer eigenen Feder stützen, um nicht Klischees wieder aufzukochen, die sich bis heute hartnäckig halten. Das gilt zum Beispiel für ihr angeblich so skandalöses Liebesleben. Katharina war durchaus eine sinnliche Frau, die - wie es in jener Zeit bei Hofe üblich - immer wieder Affären hatte, vielleicht gab es sogar ihr umstrittenes "erotisches Kabinett" tatsächlich, aber die grenzenlosen Ausschweifungen, die ihr angedichtet wurden, haben ihren Ursprung wohl eher in Karikaturen, die ihre politischen Gegner in Umlauf brachten.

Wie gestaltet sich Ihre Arbeit an einem Roman? Wie gehen Sie vor, wenn die Idee zu einer Geschichte einmal geboren ist?
Ich fange immer bei den Personen selbst an. Aus ihrem Charakter und ihren "Lebensaufgaben" entsteht die Grundgeschichte, die dann "unterfüttert" werden muss. Da das 18. Jahrhundert mein Steckenpferd ist, konnte ich hier auf umfangreiches Recherchematerial zurückgreifen. Und dann gilt auch immer: "Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt". Beim Elefantenschutzverein Europa erfuhr ich z. B. interessante Details über die Haltung der Elefanten in Sankt Petersburg im 18. Jahrhundert. Und bei den historischen Waffen hat ein Experte auf diesem Gebiet mir sehr weitergeholfen.




Die gebundene Ausgabe (Hardcover):

Hardcover 412 Seiten, 16.95 Euro (D)
ISBN: 3-4733-5268-3, Verlag: Ravensburger, 2007

Seit Anfang 2009 ist diese Ausgabe leider vergriffen und somit nicht mehr im Buchhandel lieferbar. Wer noch ein Exemplar ergattern möchte, wird aber sicher noch in einem modernen Antiquariat oder bei Ebay fündig.






















Quadrat News 10.08.17

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