Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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Rubrik Fantasy, Historie, Krimi, Kinderbuch


Filippo Balatri London im 18. Jahrhundert: Zwei Theater kämpfen um die besten Sänger. Die Stimmkünste des italienischen Gesangstars Giacomo Amorelli ziehen die Fans in Scharen an. Doch als Amorellis Konkurrent Nicola Ferrante bei laufender Vorstellung in den Tod stürzt, gerät der Superstar unter Verdacht. Wurde Ferrantes Sicherungsseil durchschnitten? Will jemand Amorelli einen Mord anhängen? Der junge Adelige Lucius und die Schleifenmacherin Célestine heften sich auf die Fährte eines Phantoms - und müssen bald Gift- und Dolchattacken fürchten.

Zwei Schwaben in London (Fotoalbum)
"Schlechtes Wetter. Gutes Bier. Viele Kaffeehäuser. Zu viele Zeitungen. Eine Brandversicherungsanstalt. Ein perfektes Mietkutschensystem. Briefträgerinnen, die wie auf Flügeln des Windes durch die Straßen eilen." So beschrieb im 18. Jahrhundert der italienische Sänger Filippo Balatri die Stadt London. Im Oktober 2005 habe ich mich für den Krimi "Der Maskenmörder von London" auf Balatris Spuren begeben: Auf nach London!



"Der Maskenmörder" in Litauen
"Ich freue mich, Ihnen eine erste Lizenz von Ihrem Titel "Der Maskenmörder von London" mitteilen zu dürfen!", so schrieb mir im September 2007 die Dame aus der Lizenzabteilung Sauerländer, "Wir haben soeben einen Vertrag mit dem Verlag Gimtasis Zodis aus Vilnius abgeschlossen." Eine wunderbare Nachricht! Der Erscheinungstermin steht noch nicht im Detail fest, aber das Buch wird auf jeden Fall innerhalb der nächsten 18 Monate in den litauischen Buchhandlungen zu finden sein.


Infos zur Recherche:

Italienischer "bel canto" und englische "melancholy"
Im Jahr 1735 gibt es in London zwei große Operngesellschaften: zum einen das Ensemble des King's Theatre. Musikalischer Leiter ist Georg Friedrich Händel. Zum anderen gibt es seit neuestem das Konkurrenzunternehmen, die "Opera of the Nobility” am Haymarket. Gegründet wurde sie im Jahr 1733 von Adligen unter Führung des Prinzen von Wales (Frederick, Herzog von Marlborough). Der Prince of Wales hat es sich zum Ziel gesetzt, den "bel canto italiano" auf die Bühne zu bringen. Dafür engagiert er die besten Sänger aus Europa - die braucht er auch, um gegen Händel, der die beliebtere Musik und französischen Tanz bietet, bestehen zu können. Immer wieder versuchen die beiden Unternehmen nun, sich gegenseitig die Künstler abzuwerben, ein erbitterter Wettkampf um die bessere Musik und um die Gunst des Publikums beginnt.

Händel und die Royals
Wen gab es wirklich? - Das ist die Frage, die ich mir immer stelle, wenn ich einen Roman mit historischen Bezügen lese. Einige Figuren erschließen sich im "Maskenmörder" von selbst. Georg Friedrich Händel zum Beispiel: Der Komponist wurde 1685 in Halle an der Saale geboren und starb 1759 in London. Sein Wohnhaus in der Brook Street ist heute ein Museum (www.handelhouse.org). König George II, Prinz Frederick und Prinzessin Anne sind ebenfalls Personen der Geschichte. Der König und Prinz Frederick sollen sich übrigens gar nicht grün gewesen sein, George II soll seinen Sohn sogar als "größten Idioten, der je geboren wurde" bezeichnet haben. Auch in Musikdingen ging jeder seinen eigenen Weg. Als Konkurrenzunternehmen zu Händels Opernhaus, das vom König unterstützt wurde, gründete der Prinz sein eigenes Opernunternehmen: Die "Opera of the Nobility".

Wachsvampir & Tanz-Tunika
Auch andere Figuren haben Vorbilder aus der damaligen Musik- und Zeitgeschichte. Die Ballerina Marie Sallé (1707-1756) zum Beispiel. Auf sie geht die erste größere "Kostümreform" an europäischen Bühnen zurück. Da Frauenrollen lange Zeit von maskierten Männern getanzt wurden, waren die Kostüme bodenlang und ließen nur wenig Bewegungsfreiheit zu. Marie Sallé war die erste Tänzerin, die in einer stilisierten griechischen Tunika ohne Korsett (Skandal!) auf der Bühne erschien und auch noch (Skandal II) mehr Bein zeigte.
Die Tänzerin Nancy Jolly ist der Schauspielerin und Sängerin Nancy Dawson nachempfunden, die mit ihrem Auftritt in der "Beggar's Opera" Berühmtheit erlangte. Das Lied über Nancy Dawson gibt es, ich habe im Roman allerdings eine Zeile auf "meine" Nancy umgemünzt.
Auch Moll King ist authentisch. Mit ihrem Mann betrieb sie das berühmt-berüchtigte "Tom King's Coffee House" - bestehend aus dem "White Horse", dem "Green Man" und dem "Black Moor". Ihr afrikanisches Schankmädchen, Black Betty genannt, ist sogar auf einem Bild verewigt worden. Ein Themenbereich, den ich im Roman ganz vernachlässige, ist der Sklavenhandel. Britische Handelsschiffe brachten ganze Ladungen afrikanischer Gefangener nach Amerika. Und auch in London waren dunkelhäutige Pagen sehr beliebt. Der Name Burlington ist einem prominenten Vorbild entliehen - es gab in jener Zeit einen Earl of Burlington, der am Piccadilly residierte und die Oper liebte. Tiddy Doll, der verrückte Pfefferkuchenverkäufer, trieb tatsächlich sein Unwesen am Haymarket. Und auch die im Roman erwähnte Vorgängerin von Madame Tussaud gab es wirklich: Eine gewisse Mrs Salmon betrieb zu jener Zeit ihr "schauerliches Kabinett" in der Fleet Street. Laut zeitgenössischen Berichten stand darin eine ziemlich abgeranzte Wachsfigur von Königin Elisabeth, "halb Hexe, halb Vampir".
Und die Sänger?
Aber klar:

Die Superstars des Barock
Kastraten! Endlich darf ich das Wort mal erwähnen - im Buch sollte das Thema nämlich nicht explizit ausgewalzt werden (es ist ja auch nicht das Thema des Krimis), dort bleibt es also nur bei Andeutungen, wie Supersänger Amorelli zu seinem unglaublichen Stimmumfang von dreieinhalb Oktaven kommt. Jeder wird wohl die Witze über Eunuchen kennen, die durch ihre hohe Stimme auffallen? Nun, im Fall der Sänger war dieser Effekt gewollt und der Weg dahin gar nicht so witzig. Dieses Stück Musikgeschichte ist im Grunde ein ziemliches gruseliges Thema. Aber von Anfang an:
Die durchschnittliche Biografie eine Kastratensängers verlief meist so: Irgendwo in Italien fällt ein Junge im Kirchenchor durch seine schöne Stimme auf. Das Publikum ist begeistert - und nach der Vorstellung setzen sich einige geistliche Herren und der Musiklehrer mit dem Vater des Knaben zusammen. Es winkt ein gutes Auskommen als Sänger im Dienst der Kirche (Frauen war es verboten, auf der Bühne zu singen. Also traten an ihrer Stelle die Kastraten mit ihren hohen "Engelsstimmen" auf). Einzige Vorraussetzung: eine Operation, damit der Knabe nicht in den Stimmbruch kommt. Offiziell ist die Kastration verboten, aber dennoch gibt es geheime Adressen für diesen Eingriff. Und auch wenn der Sänger später erzählt, er hätte seine hohe Stimme einem "Reitunfall" zu verdanken, weiß doch jeder, wie es wirklich zuging. Das Tragische dabei: Viele Jungen starben während oder nach der grausamen Prozedur. Und auch bei denen, die überlebten, war nicht gesagt, dass sie im Erwachsenenalter ihre Stimme behielten und gute Sänger wurden. Nur ganz wenige kamen bis an die Spitze. Wer es schaffte - wie zum Beispiel der berühmte Sänger Carlo Broschi, der unter dem Künstlernamen "Farinelli" auftrat - konnte es allerdings zum internationalen Superstar bringen und für jeden Auftritt Millionengagen einstreichen. Woran waren Kastraten zu erkennen? Häufig waren sie durch das hormonelle Ungleichgewicht in ihrem Wachstum gestört, waren sehr oft dünn und/oder sehr groß, wie es auf dieser Karikatur dargestellt ist.

'Kicc Colt' & Sardellen: London im Tagebuch
Einer dieser Sänger hat seine Memoiren geschrieben - Filippo Balatri (1682 - 1756) erzählte in Versform sein Leben. (Er ist übrigens auf dem Bild rechts oben zu sehen - der Mann in dem roten Rock). Geboren in Italien, führte sein Weg ihn über London bis ins russische Zarenreich zu Peter dem Großen, auf eine Expedition zum "großen Khan der Tataren" und zurück nach Europa, bis er sein Leben schließlich in einem Kloster beschloss. Christine Wunnicke hat die Memoiren meisterhaft übersetzt, interpretiert und mit einem feinen Humor zusammengefasst. über London hatte der Sänger nicht unbedingt die beste Meinung, und einige seiner Ansichten lege ich im Roman dem Sänger Giacomo Amorelli in den Mund. Drei Dinge fielen Balatri in London sofort auf:
"Die Leute sind von einer unglaublichen Höflichkeit."
"Man isst blutiges Fleisch."
"Die meisten Damen tragen Masken, als sei Karneval."

Auch die Umgangsformen befremden ihn:
"Der Pöbel wirft gelegentlich und ohne ersichtlichen Grund Schlamm auf harmlose Passanten und brüllt dabei: "You french dog". (...) Man spricht nicht laut. Man lacht nicht laut. Man fuchtelt nicht mit den Armen."

Das, was Balatri am meisten schockiert: das Klima und eine rätselhafte Krankheit: "Das Londoner Wetter macht nicht nur hässlich und melancholisch, es macht auch krank. Es gibt in England ein gefährliches Leiden, (...) das schon viele Briten das Leben kostete. Der Name dieser Pest lautet 'Kicc Colt'."
Na? Erraten? Auflösung: "Catch a cold" - eine Erkältung!
Mehrere italienische Sänger versuchten "Kicc Colt" mit pfundweise gesalzenen Sardellen und Gebeten vorzubeugen. Tja, half aber nichts, die "Londoner Pest" erwischte auch die italienischen Goldkehlchen.

Hörtipp: Ganz nah dran ...
Wer einmal hören will, wie ein Sänger wie Filippo Balatri geklungen haben könnte, sollte sich die CD "Farinelli" anhören. Der Clou: Heute kann natürlich kein Sänger mehr die Kastratenarien originalgetreu singen. Also wurden für diese Aufnahme die Stimmen zweier Sänger digital kombiniert. Die Stimmen des Countertenors Derek Lee Ragin und der Sopranistin Ewa Mallas- Godleska verschmelzen zu einem unglaublichen Sound und lassen erahnen, was das Publikum damals in der Oper zu hören bekam!




Die gebundene Ausgabe (Hardcover):

Hardcover 240 Seiten, 14.90 Euro (D)
ISBN: 3-7941-7050-4, Verlag: Sauerländer, 2007























Quadrat News 22.03.17

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