Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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Rubrik Fantasy, Historie, Krimi, Kinderbuch


Steppe "Ein Meer aus Gras", so beschrieb Frater Wilhelm das Land. Er hätte keinen passenderen Namen dafür finden können. Die Weite der Grassteppe, im Süden nur begrenzt durch den blauen Streifen Wasser, den Wilhelm als Meer des Tanais bezeichnete, beunruhigte Krystian. Noch nie war er so weit weg von Städten und Dörfern gewesen. Die letzten Begrenzungen und Sicherheiten lösten sich auf und ließen ihn allein unter dem weiten Himmel zurück. Hier in der Unendlichkeit rückten sie alle unmerklich näher zusammen und senkten die Stimmen, als könne der Wind sie hören und die Dämonen der fremden Völker herbeilocken.



Der "Mongolensturm" erreicht Krakau
Krakau im Jahr 1241: Fremde Reiterhorden stürmen die Stadt, plündern, brandschatzen und morden. Noch vor dem Morgengrauen versinkt die zum größten Teil aus Holz erbaute Stadt in Schutt und Asche. Die Bewohner, die bereits vom Ansturm fremder Truppen in anderen Städten gehört haben, und Landvolk, das auf der Flucht vor den Horden aus dem Osten ist, retten sich in den Schutz der Mauern der Wawel-Burg. Augenzeugen berichten von grausamen Kriegern - Bogenschützen auf wendigen, kleinen Pferden, gegen die die Ritter mit ihren schweren Rüstungen und ihren weniger wendigen Streitrössern keine Chance haben. "Tataren", so sagt man, hieße das Reitervolk - und wegen ihrer Grausamkeit nennt man sie zunächst auch "Tartaren" (von lat. "Tartarus" - "Hölle").
Ihr Auftauchen versetzt die Herrscher und Völker in ganz Europa in Angst und Schrecken - doch ganz überraschend, von einem Tag auf den anderen, kehren die fremden Truppen einfach um und reiten in ihr Stammland nach Asien zurück. Mitten im Feldzug hatte sie die Nachricht erreicht, dass ihr Herrscher, der Großkhan ögedei, gestorben war. Zum Begräbnis und vor allem zur Wahl des neuen Großkhans mussten die Krieger in ihr Stammland zurückkehren.

Eine Missionsreise zu den "Tartaren"
Elf Jahre später, 1253: Im Auftrag des Frankenkönigs Ludwig (auch Ludwig der Heilige genannt) reist der Franziskanermönch Wilhelm von Rubruk zu den "Tartaren". Offiziell sollte er "nur" missionieren und nicht als Gesandter auftreten, inoffiziell geht es dabei allerdings um etwas ganz anderes: König Ludwig waren Gerüchte zu Ohren gekommen, dass Khan Sartach den christlichen Glauben angenommen hatte. Und da die "Tartaren" als unbesiegbar galten, hoffte er, sie als Verbündete für den Kampf gegen die Muslime zu gewinnen, gegen die er in den Kreuzzügen zu Felde zog. Wilhelm von Rubruk - damals schon ein alter Mann und dazu noch ziemlich beleibt - machte sich mit einer kleinen Gruppe Getreuer auf den Weg ins Ungewisse.

Wilhelm von Rubruks Reisebericht
Rund zwei Jahre dauerte die Reise, die Wilhelm von Konstantinopel (das heutige Istanbul) aus über die Krim bis in die Mongolei zur legendären Stadt Karakorum im Orchon-Tal führte. Seine Beobachtungen und Erlebnisse notierte der Mönch für seinen Auftraggeber König Ludwig mit großer Genauigkeit. Wer den spannenden und sehr interessanten Reisebericht selbst lesen möchte: Er ist unter dem Titel "Beim Großkhan der Mongolen" vor Kurzem von Hans Dieter Leicht neu herausgegeben worden. Darin wird auch erklärt, dass die "Tartaren" in Wirklichkeit Mongolen genannt werden.
Bei der Beschreibungen der Reise und den Beobachtungen der fremden Völker, der Sitten und Bräuche, der Kleidung, des Rechtssystems etc. habe ich mich meist sehr dicht an Rubruks Beobachtungen gehalten. Ganz besonders schön fand ich eine Erzählung über das "Dschin Dschin"-Tier:

"Einmal saß ich mit einem Priester aus Cathai zusammen. Weil er mit einem Tuch aus schönster roter Farbe bekleidet war, erkundigte ich mich, woher diese Farbe stamme. Er erzählte mir, dass es in den östlichen Gebieten von Cathai sehr hohe Felsen gebe. Auf ihnen würden gewisse Lebewesen hausen, die zwar völlig menschliche Gestalt besäßen, nur könnten sie ihre Knie nicht abwinkeln, sondern würden sich - ich weiß nicht wie - hüpfend fortbewegen. Sie seien nur eine Elle groß, am ganzen Körper mit Haaren bedeckt und würden in unzugänglichen Höhlen wohnen. Die Leute, die auf sie Jagd machen wollen, nehmen ein stark berauschendes Getränk mit sich, legen in den Felsen becherförmige Gruben an und füllen sie mit diesem Getränk. (...) Jene seltsamen Lebewesen kommen aus ihren Höhlen, kosten das Getränk und schreien: ,Dschin dschin!' Von diesem Ausruf haben sie ihren Namen Dschin-Dschin. In großer Anzahl kommen sie nun zusammen, nehmen das Getränk zu sich, werden berauscht und schlafen an Ort und Stelle ein. Jetzt kommen die Jäger herbei, fesseln die Schlafenden an Händen und Füßen und öffnen ihnen eine Ader am Hals. Sie zapfen ihnen drei oder vier Tropfen Blut ab und lassen sie dann wieder laufen. Dieses Blut sei, so erzählte mir der Priester, äußerst kostbar zum Färben der Purpurtücher."
(Wilhelm von Rubruk: "Beim Großkhan der Mongolen", Seite 150-151)

Ziege im eigenen Balg gegart ...
Besonders großen Spaß hat es gemacht, Recherchen zur heutigen Mongolei anzustellen. Da ich leider nicht selbst hinreisen konnte, haben mir die Reiseimpressionen von Michel Hagenlocher und Mathias Wilde sehr weitergeholfen. Michel war zudem so nett, mir eines seiner Fotos für diese Seite zur Verfügung zu stellen. Der junge Mann mit dem Pferd rechts oben ist Michel selbst während einer Reit-Pause. Danke nochmals!
Sensationell und nützlich ist die Seite www.mongolfood.info. Wer das Rezept für Murmeltierbraten haben möchte - oder für Ziege, die am Stück im eigenen Balg und mit heißen Steinen gefüllt gegart wird, der kann es dort genau nachlesen. Ob die Nachbarn von so einer Grillparty begeistert sein werden, ist natürlich die Frage ...

Dichtung und Wahrheit
Ob Wilhelm wirklich so mürrisch war, wie ich ihn beschreibe, kann ich natürlich nur vermuten. Bartholomäus von Cremona, der Kleriker Gosset und ein Dolmetscher namens Abdallah gehörten ebenfalls zur Reisegruppe. Krystian und das sagenumwobene Schlangenamulett sind dagegen frei erfunden.
Einige Freiheiten habe ich mir auch in Bezug auf andere Gegebenheiten erlaubt. So findet der Mongolensturm auf Krakau aus dramaturgischen Gründen in den Morgenstunden und nicht mitten in der Nacht statt. Die Nationalitäten und (slawische) Einzelsprachen sind in ihren Bezeichnungen zum größten Teil modernisiert wiedergegeben. Bei den Mongolisch-übersetzungen (nochmal vielen Dank an meine geduldige übersetzerin Lkhamsuren Tsegmid!) habe ich mir an einigen Stellen erlaubt, ein wenig zu mogeln und habe z.B. das Wort "mongol" eingefügt, damit der Satzbezug zur Handlung verständlich wird.

Das Hörbuch: Mongolen, Mönche, Sensationen!
Ja, meine Damen und Herren, hören Sie und staunen Sie - diese Hörproduktion ist wirklich absolut phantastisch geworden! Es gibt Momente im Leben, die sind einfach Aha-Erlebnisse. So ging es mir, als ich ganz unbedarft in die erste CD reinhörte - und mich plötzlich mitten im brennenden Krakau wiederfand. Pfeile zischten, Pferdehufe trommelten auf dem Boden, Feuer knisterte und der polnische Trompeter spielte das originale "Hejnal"-Signal, um die Bürger von Krakau vor den heranstürmenden Mongolen zu warnen! Und das war noch lange nicht alles: In der Grassteppe zirpen die Zikaden, mongolischer Gesang und die Klänge der Pferdekopfgeige untermalen die Szenen. Und über allem klingt die wandlungsfähige, ausrucksvolle und dabei stets sensible Stimme von Torsten Michaelis. Wow! Michaelis, Theaterschauspieler und die deutsche Synchronstimme von Wesley Snipes, arbeitet die Charaktere beeindruckend heraus. Kurzum: Eine tolle Arbeit, die der Produktionsleiter Dirk Kauffels von Sauerländer da umgesetzt hat. Danke!

PS: Für die Landeskundigen: Ja, richtig gehört - an einer Stelle könnte man tatsächlich das Wort "Slowenien" heraushören. Es heißt aber: "Slawonien".




Die gebundene Ausgabe (Hardcover):

Hardcover 376 Seiten, 14.90 Euro (D)
ISBN: 9783794180684, Verlag: Sauerländer, 2008























Quadrat News 10.08.17

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