Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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Rubrik Fantasy, Historie, Krimi, Kinderbuch


Sofonisba 1 "Meine Bilder sind die Abfolge meines Lebens. Selbst wenn ich sie verschenke - Kopien davon behalte ich in meinem Gedächtnis. Und manchmal erscheinen sie mir wie eine Galerie der Verluste. Auch ein Selbstporträt malte ich im folgenden Jahr. Es stellt mich als junge Adelige dar, gebildet und stolz, mit herausforderndem Blick. In der einen Hand halte ich zwei Pinsel, in der anderen ein Stück Papier. Der Betrachter sieht nur die Rückseite und erkennt nicht, dass es eine Skizze von Luca und Elena ist, die sich auf dem Sommerfest der Andreolis küssen. Ich malte das Porträt, während ich trotzig die Lippen zusammenkniff und mir schwor, eines Tages aus dem Hause Anguissola fortzugehen. Doch solche Schwüre lindern höchstens den Zorn, niemals den Kummer. Denn in manchen Nächten fehlt Elena mir noch heute."


Zur Recherche:


Die erste Berufsmalerin: Sofonisba Anguissola
"Sofonisba ... wer?" Das war die häufigste Reaktion, wenn ich von meinem neuen Romanprojekt erzählte. Umso spannender war es, sich auf die Spur dieser bedeutenden Malerin des 16. Jahrhunderts zu begeben. Würde sich ein Autor ihre Lebensgeschichte ausdenken, würden einige Leser sicher entsetzt: "Wie unrealistisch!", ausrufen.
Sofonisba war die älteste von sechs Patriziertöchtern. Geboren wurde sie 1532 (manche Forscher sagen: 1534) in Cremona, Italien. Ihre Eltern, Amilcare Anguissola und Bianca Ponzoni, erzogen ihre Töchter in einem Stil, der für die damalige Zeit sehr fortschrittlich war. Sofonisba und ihre Schwestern durften nämlich ein Handwerk erlernen, das damals als Männerdomäne galt: die Malerei.

Fackeltanz am spanischen Hof
Sofonisba bekam eine hervorragende Ausbildung bei namhaften Malern, darunter Bernardino Campi und Bernardino Gatti, sogar der große Michelangelo gehörte zu ihren Lehrern. Auf ihren Selbstporträts sieht man, dass sie dunkelblond war und blaugraue Augen hatte. Manche Forscher vermuten, dass sie Linkshänderin war. Schon nach wenigen Jahren hatte sie einen so guten Ruf als Porträtmalerin, dass sie als Hofdame an den spanischen Königshof eingeladen wurde. Dort sollte sie der erst 14-jährigen Königin Isabel de Valois Zeichenunterricht geben. Im Winter 1559 kam Sofonisba in Spanien an und begegnete ihrer jungen Herrin bei deren Willkommensfest im Januar 1560. Es ist überliefert, dass Sofonisba sich auf dem Fest mit einem Aufsehen erregenden Auftritt vorstellte: Als keiner der Höflinge es wagte, den Tanz zu beginnen, betrat sie mit einem italienischer Adeligen namens Ferrante Gonzaga selbstbewusst das Parkett. Und später, beim Fackeltanz, forderte die "schöne Malerin" König Philipp sogar persönlich auf.

Die "malende Hofdame"
Sofonisba war nicht als Malerin engagiert worden, das wäre für eine Adelige unschicklich gewesen. Offiziell war sie Isabels Hofdame. Als solche hatte sie einen deutlich höheren Stand, schließlich wurde die Malerei damals "nur" als Handwerk angesehen. Sofonisba gilt als eine der ersten Frauen, die die Malerei als Beruf ausübten. Geld durfte sie für ihre Bilder nicht annehmen, aber sie erhielt kostbare Geschenke für ihre heiß begehrten Porträts. Sogar der Papst bestellte ein Werk von ihr. Ihr erstes Porträt der kindlichen Isabel war eine Sensation und wurde von namhaften Künstlern kopiert. Auch nach Isabels Tod im Jahr 1568 blieb Sofonisba am Königshof. Erst zwölf Jahre nach ihrer Ankunft in Spanien verließ sie den Hof, um einen sizilianischen Edelmann zu heiraten. In ihrem Vertrag war ihr zugesichert worden, dass der König einen standesgemäßen Ehemann für sie finden musste. Und es fand sich auch einer: Fabrizio di Moncada. Reiste Fabrizio von Sizilien nach Spanien, um mit seiner Braut getraut zu werden? Oder heiratete Sofonisba ihn "per procurationem" (also mit einem Stellvertreter anstelle des Bräutigams) und lernte ihren Ehemann erst bei ihrer Ankunft in Sizilien persönlich kennen? Beide Versionen gibt es. Ich habe mich im Roman für die erste Version entschieden (so steht es auch in der Biographie "Sofonisba Anguissola - The First Great Woman Artist of the Renaissance" von Ilya Sandra Perlingieri.)

Tragischer Tod im Golf von Neapel
Mit Fabrizio di Moncada lebte sie einige Jahre in Sizilien, dann verstarb ihr Mann unter tragischen Umständen. Es gibt zwar die Version, dass er einer schweren Krankheit erlag. Im Buch habe ich allerdings eine andere Geschichte verarbeitet, die ebenfalls von vielen Biographen erwähnt wird: Fabrizio ertrank während einer Reise nach Spanien im Golf von Neapel. Möglicherweise war sein Tod kein Unfall, einige Forscher gehen davon aus, dass es um Erbschaftsstreitigkeiten ging und die Familie seiner Schwägerin etwas nachgeholfen hat. Jedenfalls war er seltsamerweise der einzige Passagier, der bei einem Piratenüberfall ertrank. Sofonisba war nun Witwe und musste sogar vor Gericht gehen, um zumindest ihre Mitgift wieder ausbezahlt zu bekommen. Schließlich verließ sie die Insel, vielleicht, um nach Spanien zurückzugehen, oder aber, um nach Cremona zu ihrer Familie zurückzukehren. Aber wie das Schicksal so spielt: Auf dem Schiff verliebte sie sich Hals über Kopf in den einige Jahre jüngeren Kapitän Orazio Lomellini.

Heimliche Liebesheirat in Genua
Ohne die Erlaubnis von König Philipp einzuholen, heiratete sie Orazio sechs Wochen später und ließ sich mit ihm in seiner Heimatstadt Genua nieder. Natürlich war Philipp "not amused", aber im Nachhinein gab er dem Paar doch seine Erlaubnis. Es wurde eine glückliche Ehe. Sofonisba und Orazio blieben nicht lange in Genua, sondern zogen nach Sizilien. Der flämische Maler Anton van Dyck besuchte die Malerin dort einige Jahrzehnte später und notierte in seinem Reisetagebuch, er habe von ihr mehr gelernt als durch das Studium der vortrefflichen Meister. Ein Jahr nach seinem Besuch starb Sofonisba im Alter von siebendundneunzig Jahren. Ihr Mann Orazio ließ eine Inschrift auf ihren Grabstein meißeln: Seine Gattin, stand darauf zu lesen, sei im Darstellen des menschlichen Gesichts so vorzüglich gewesen, dass niemand zu ihrer Zeit gleichviel geschätzt worden sei. über das Leben dieser ersten Berufsmalerin gäbe es noch unendlich viel zu erzählen. Ich habe nur wenige Linien ihrer Biographie verfolgt und ein gutes Maß an "Was wäre, wenn?" hinzugefügt. Womit wir schon bei der Schnittmenge von Fiktion und Recherche wären:

Sofonisbas Bilder im Roman
Sofonisba hat nicht alle ihrer Bilder signiert, deshalb wurden viele von ihnen lange Zeit irrtümlich anderen Künstlern zugeordnet. Werke, die lange Tizian, Tintoretto, Bassano, Leonardo da Vinci, Salviati, Bronzino, Coello oder van Dyck zugeschrieben wurden, entpuppten sich nach genauer Untersuchung inzwischen als Werke Sofonisbas. Die Bilder, die ich im Roman erwähne, gibt es alle wie beschrieben, nur die Geschichten dazu habe ich der Handlung angepasst. Von manchen Motiven habe ich mich auch zu neuen Figuren inspirieren lassen. Sofonisbas Dienerin zum Beispiel: Auf mehreren Porträts hat Sofonisba Anguissola ein und dieselbe alte Frau abgebildet, so auch auf dem "Selbstbildnis am Spinett mit Amme" (öl auf Leinwand, 1561). Ich finde, sie hat die alte Frau mit viel Liebe und Wärme dargestellt. In meinem Roman habe ich der Dienerin eine Geschichte und einen Namen gegeben: Bartola.
Auch eine weitere Romanfigur ist aus einem Bild getreten: die junge Niederländerin Lien van Leyster. Sie gleicht der Maria auf dem Gemälde (siehe rechts oben) "Die Heilige Familie mit der hl. Anna und dem Johannesknaben" (öl auf Leinwand, 1592).
Und das sind die anderen Werke, auf die ich mich im Roman direkt beziehe: "Porträt einer Nonne" (öl auf Leinwand, 1551), "Selbstporträt" (öl auf Leinwand, 1552), "Knabe, der von einem Krebs gezwickt wird" (Skizze), "Selbstporträt" (Miniatur auf Kupfer, 1552), "Bildnis der Königin Isabel de Valois" (öl auf Leinwand, 1561).
Wer sich übrigens einige Originale ansehen möchte, findet im deutschsprachigen Raum folgende Werke: Das "Bildnis der Bianca Ponzoni Anguissola" (1557) hängt in der Gemäldegalerie in Berlin. Und die beiden Gemälde "Selbstbildnis" (1554) und "Bildnis der Infantin Isabella Clara Eugenia" (nach 1599) sind im Kunsthistorischen Museum in Wien ausgestellt.

Philipp II und die Spanische Inquisition
Scheiterhaufen, Prozesse, Folter - ein schwieriges Thema, vor dem ich ehrlich gesagt etwas Angst hatte. Und ich muss zugeben, die Recherche hat nicht besonders viel Spaß gemacht. Aber die Herrschaftszeit Philipps II wird nun mal mit der christlichen Ketzer- und Hexenverfolgung in einem Atemzug genannt. Und Sofonisba, die genau in der Zeit der letzten großen Autodafés in Toledo und Madrid gelebt hat, wird sicher damit konfrontiert gewesen sein. Dass sie selbst in Konflikt mit der Inquisition geraten ist, ist historisch nicht belegt, dieser Teil meiner Geschichte ist also reine Fiktion. Aber als malende Frau hatte sie sicher damit zu rechnen, dass die Kirchenzensur ihre Bilder besonders streng im Auge behielt. Ein Detail, das nicht erfunden ist: Sofonisbas Kollege, der niederländische Hofmaler Anthonis Mor, verließ Spanien Hals über Kopf im Jahr 1561. Man vermutet, dass er vor der Inquisition floh, um einer Verhaftung und einer Anklage zu entgehen. Vermutlich wurden ihm Kontakte zu den spanischen Lutheranern nachgesagt - ein Gedankenspiel, das ich für den Roman aufgegriffen habe.
Philipp II wird auch oft als "düsterer Mönchskönig" bezeichnet. Bürokratisch, trocken, ernst und analytisch. Mir war trotzdem daran gelegen, im Roman nicht nur diese Seite von ihm zu zeigen, sondern auch den "privaten" Philipp, der als junger Mann gerne lachte und tanzte, Musik mochte und seine junge Frau Isabel aufrichtig liebte.

Von Aquamarinblau bis Zinnober: Farben, Farben, Farben!
Die heimliche Hauptdarstellerin in diesem Buch: Die Malerei! Bei der Recherche über das Leben der Renaissance-Künstlerin musste ich mich natürlich mit dem Thema Farbherstellung beschäftigen. Klingt langweilig? Ist es ganz und gar nicht! Wer weiß heute schon noch, dass das Rot früher unter anderem aus zerriebenen Cochenille-Läusen gewonnen wurde? Dass ein Gelb namens "Auripigment" hoch giftiges Arsen enthielt, weshalb man das Farbpulver auf keinen Fall einatmen durfte? Und dass ein besonders gelungener Hautton eines grünen Fonds bedarf? Bei der Beschreibung der Maltechniken aus der Renaissance habe ich mich auf Cennino Cenninis "Das Buch von der Kunst oder Tractat der Malerei" gestützt. Aber auch die moderne "Kulturgeschichte der Farben" von Victoria Finlay bot spannende Einblicke. Kurz: ich hätte am liebsten noch ein zweites Buch geschrieben, nur über die Farben und ihre Geschichte. Stattdessen habe ich jedes Kapitel nach einer Farbe benannt und ein bisschen "Farblehre" eingefügt. Damit es zum Roman passt, lasse ich die Figuren selbst zu Wort kommen. Zum Beispiel im Kapitel "Ultramarinblau", wo ich Sofonisba folgende Beschreibung in den Mund lege:
"Es gibt ein Mineral, das sich Azurit oder Bergblau nennt. Da es diesseits des Meeres zu haben ist, wird es auch 'Citramarino' genannt. Um ein Vielfaches teurer als dieses und jedes andere Blau ist das Oltramarino. Es kommt von 'ultra mare', jenseits des Meeres, aus dem Orient. Hergestellt wird es aus dem Edelstein Lapis Lazuli. Du wirst kein schöneres Blau für den Himmel finden, und sogar der Lapis Lazuli selbst erinnert an einen Sternenhimmel:
strahlendstes Dunkelblau, gesprenkelt mit goldenen Sternen. Die Sterne sind Einschlüsse von Pyrit und müssen sorgfältig herausgewaschen werden."


Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt: Gemma Rosique!
Alle Theorie ist gut und schön, noch besser ist es aber, einer Fachfrau über die Schulter zu schauen und sich die Tipps vor Ort zu holen. Eine ganz besondere Unterstützung war hier die baskische Malerin Gemma Rosique. Wie einst Sofonisba, stellt auch Frau Rosique die Farben für ihre Kunstwerke selbst her! Wenn man ihre Wohnung und die Werkstatt betritt, befindet man sich sofort in einem Bilderrausch. Gemma Rosique stammt aus einer Künstlerfamilie, schon ihr Großvater, Blas Rosique, war Maler und zudem Geschichtsprofessor. Seine Söhne eröffneten eine Kunstschule und drückten Gemma und ihrer Schwester einfach den Stift in die Hand. "Solange wir malten, konnten wir nichts kaputtmachen", erinnert sie sich heute an ihre Kindheit. "Ich habe mich schon über Kunst ausgedrückt, bevor ich überhaupt wusste, was das ist." Nach ihrem Studium in Bilbao und Barcelona machte sie sich mit verschiedenen Ausstellungen einen Namen. Ihre Werke hängen unter anderem im Rathaus von Barcelona und im Kunstsaal der baskischen Regierung. Nach Deutschland reiste Gemma immer wieder als Touristin - und blieb schließlich ganz. Heute arbeitet sie als freie Malerin und Designerin und leitet in Gerlingen ihre eigene Kunstschule "Art in Novalia".




Die gebundene Ausgabe (Hardcover):

Hardcover 352 Seiten, 16.95 Euro (D)
ISBN: 3-4733-52780, Verlag: Ravensburger, 2008























Quadrat News 22.03.17

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