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"Wie ein Hund, der seinen Weg nach Hause kannte, trieb das Boot zur Mitte des Flusses, wo die Strömung es ergriff und mit
sich zog. Jade, die vorne am Bug saß, spürte die Beschleunigung als sanftes Ziehen. Der Wind kühlte ihre nasse
Kopfhaut. Sie schloss die Augen und atmete tief ein: Duft nach Wasser, Algen und das würzige Zimtaroma der rosenfarbenen
Flussblüten, die am Ufer in den letzten Tagen gleichgültig gegen die Schüsse und die Explosionen erblüht waren."
Werkstattbericht: Es war einmal ...
... eine Idee. Eine ziemlich märchenhafte Idee für eine Liebegeschichte. Sie sollte in einer winterlich-romantischen
Stadt spielen. So um 1917 herum. Mit Palastrevolution, Dramatik, Leidenschaft und Schneemagie. Klang gut, war es aber
nicht! Das Ganze war noch nicht stimmig und das diffuse Gefühl "Irgendwie anders, aber ich weiß auch nicht, was genau
noch nicht passt" ist ohnehin meist kein gutes Zeichen. Also entschied ich mich, dass ein kleiner Dornröschenschlaf in
der Schublade nicht verkehrt wäre. Und versetzte die Idee kurzerhand in den Tiefschlaf.
Jahre später.
Eine Anfrage seitens meiner Lektorin: Der Verlag sei interessiert an einem düsteren Phantastik-Roman. Nach einem längeren
Telefonat war klar: Eine Liebesgeschichte durfte gerne eine Rolle spielen.Hm. Klang nach einem spannenden Projekt und
ganz neuen Herausforderungen. Und die Liebesgeschichte? Da war doch was!
Ich weckte Dornröschen auf, warf das Winterwunderland über Bord und nahm die historischen Bezüge raus. Schließlich
zeichnete ich eine ganz neue Stadt, fügte neue Figuren ein und schickte liebgewonnene Charaktere ganz grausam und
gemein in den Vorruhestand (entschuldige, Simon!). Dann ließ ich Dornröschens schlimmste Albträume Wirklichkeit
werden. Und: Prima, jetzt passte es ganz plötzlich!
Alles wird anders, vieles bleibt gleich
Wer das märchenhafte Flair der Woran-Saga schätzt oder den Slapstick-Humor in der "Taverne am Rand der Welten" mag, wird
sich bei der Lektüre von Faunblut wohl erst einmal ein wenig wundern. Mit diesem Roman habe ich mich tatsächlich auf
neues Terrain gewagt. Er ist deutlich erwachsener als seine Vorgänger (die Hauptfigur ist 19 Jahre alt). Und insgesamt
ist er sicher auch gruseliger und düsterer, aber auch leidenschaftlicher und romantischer. (Einige Szenen habe ich
tatsächlich mit roten Ohren geschrieben, aber sie passten eben zur Geschichte). ;-)
Was hat "Faunblut" mit "Narnia" zu tun?
Nichts! :-) Aber weil eine Hauptfigur im Roman den schönen Namen "Faun" trägt, fragten einige Interessierte doch
vorsichtshalber nach, ob denn dieser Faun so aussehe wie Herr Tumnus aus Narnia. Also ein Flöte spielendes, gehörntes
Mischwesen, halb Mensch, halb Ziege sei. Das ist aber nicht der Fall!
Den Namen "Faun" habe ich gewählt, weil mir die Geschichte der gleichnamigen Gottheit sehr gut gefällt: "Faunus" war
ursprünglich der altitalische Gott der freien Natur, der in den Wäldern lebte und sowohl als Beschützer des Viehs galt
als auch mit Fruchtbarkeit (und oft auch mit Triebhaftigkeit) in Verbindung gebracht wurde. Er konnte in vielerlei
Gestalt auftreten. Erst später wurde er in der griechischen Mythologie als ein dem Satyr ähnliches Mischwesen dargestellt
(also die besagten Bocksbeine, Hörner etc.)
Da meine Figur ein Nordländer ist und aus den Wäldern stammt, schien mir der Name "Faun" - abgeleitet vom ursprünglichen
Faunus-Gott - als Eigenname einfach sehr passend.
Fans & Faunblut
Manchmal überraschen mich meine Leser mit Aktionen, die einfach nur phantastisch sind! Ganz begeistert war ich, als
ich eine Mail von Farina (15) bekam. Ihr Kunstwerk zeigt Jade vor dem Hotel Larimar. Kaum zu glauben, dass das Bild
in nur drei Stunden entstanden ist. Nach eigener Aussage wollte sie in dem Bild vor allem Jades freche Seite zum
Vorschein bringen, und ich finde, das ist ihr (neben den filigranen Details - man beachte die Steinaale an der
Fassade!) wunderbar gelungen. Nochmals vielen lieben Dank! Hier ist Farinas Kunstwerk. Von "Darklay" (ebenfalls 15)
stammt der Kurzfilm "Faunblut", den sie sehr professionell geschnitten und (wie sie mir mitteilte) mit einem
"internationalen Team" synchronisiert hat. Vielen Dank für diese wunderschöne Hommage an das Buch! :-) Sehr
beeindruckend und sehr episch! Und auch ein dickes Kompliment an alle, die als Sprecher mitgewirkt haben! Film ab!
Fortsetzung oder nicht?
Die häufigste Frage zu Faunblut, die mir derzeit per Mail oder bei Lesungen gestellt wird, lautet: "Wird es eine
Fortsetzung von Faunblut geben?" Auf die Gefahr hin, jetzt viele Leser zu enttäuschen: Der Roman war von Anfang an
als Einzelband geplant. Und ich hätte ehrlich gesagt auch etwas Angst, bei einer Fortsetzung eigentlich nur noch
einen Aufguss zu schreiben, denn im Grunde ist Jades Geschichte ja erzählt. Also: Nein, keine Fortsetzung. Aber,
vielleicht als kleiner Trost: Im nächsten Roman, der 2010 bei cbt Hardcover erscheinen wird, spielt die Jägerin
Moira eine etwas größere Rolle. Und auch mit der einen oder anderen Figur aus Faunblut wird es ein Widersehen geben.
Interview bei Fantasyguide
Wer etwas tiefer in das "Making of" dieses Buches einsteigen will, der klicke hier.
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